Anatol Stefanowitsch

Ein paar Worte zu einem Buch von Anatol Stefanowitsch

Auf seiner Homepage bewirbt der Berliner Anglistik-Professor Anatol Stefanowitsch sein Buch „Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen.“, das 2018 erschienen ist.
Schon der Titel zeigt, daß Stefanowitsch nicht sonderlich intelligent sein kann. Denn „politisch korrekte Sprache“ wird ja als solche bezeichnet, gerade weil sie niemand spricht und sprechen will – außer vielleicht ein paar verwirrter Akademiker, die immer noch nicht begriffen haben, in was für einer Filterblase sie leben.

Politisch korrekte Sprache ist also bereits von ihrem Wesen her ein Kropf, eine weltfremde Konstruktion von Akademikern, die genug Intellekt haben, um sich allerlei Unsinn und Pseudorationalitäten auszudenken. Da sind sie dem normalen Mann auf der Straße eindeutig überlegen.

Auf der Homepage heißt es weiter zu dem Buch:

„Sprachpolizei“, „Moralapostel“, „Genderkrampf“ – warum erhitzen sich die Gemüter so an Political Correctness? Warum protestieren Menschen gegen die Bekämpfung von sexistischem und rassistischem Sprachgebrauch? Der Sprachwissenschaftler und Blogger Anatol Stefanowitsch analysiert aufgeheizte Debatten der letzten Jahre: „Gerechte Sprache allein schafft noch keine gerechte Welt. Aber indem wir sie verwenden, zeigen wir, dass wir eine gerechte Welt überhaupt wollen.“

Hier müssen wir uns erneut fragen, was solche Leute wie Stefanowitsch eigentlich an der Universität zu suchen haben. Denn die Menschen protestieren ja nicht gegen die Bekämpfung von angeblich „sexistischem und rassistischem Sprachgebrauch“, sondern dagegen, daß weltfremde und fanatisierte Ideologen ihren Sprachgebrauch derartig denunzieren und inkriminieren.

Später spricht Stefanowitsch von „gerechter Sprache“, die angeblich für eine gerechte Welt nötig sei. Schon an diesen kurzen Passagen zeigt sich, daß Stefanowitsch schlicht eine Fehlbesetzung ist. Denn er ist als Professor ganz offensichtlich nicht in der Lage zu begreifen, daß man die Wertungen „sexistisch“, „rassistisch“ oder „gerecht“ keineswegs teilen muß und daß diese Einordnungen eben Gegenstand von Debatten sind. Gute und seriöse Professoren können das. Gute Professoren reflektieren kritisch ihre eigene politische Haltung.

Stefanowitsch fehlt damit das zentrale Merkmal, das einen seriösen Wissenschaftler ausmacht: Skepsis, erkenntnistheoretische Zurückhaltung.

Dann benutzt er noch einen Spin, der für viele Ideologen typisch ist: Er verknüpft die angeblich „gerechte Sprache“ mit einer „gerechten Welt“. Wer will keine gerechte Welt? Offenbar alle, die die „gerechte Sprache“ ablehnen.

Und was diese „gerechte Sprache“ ist, das muß wahrscheinlich eine feministische, antirassistische Wahrheitskommission festlegen.

Ich schlage hiermit vor, alle Gegner der „gerechten Sprache“ als konterrevolutionär zu bezeichnen.

Als intelligent kann man Menschen, die derartig naive Wertungen und Verknüpfungen vornehmen, wie Stefanowitsch das tut, und null reflektierende Distanz wahren, wahrlich nicht bezeichnen. Man muß annehmen, daß Stefanowitsch zu den moralischen Superspreadern gehört, die glauben, eine Umbenennung der Mohrenstraße in Berlin führe auch zu weniger rassistischen Übergriffen und Beleidigungen.

Im übrigen kann man von einem Professor auch erwarten, daß er lächerliche Begriffe wie „gerechte Sprache“ als solche durchschaut und ihr totalitäres Potential binnen einer Sekunde erkennt.