„Harris ist die erste Frau im Amt der Vizepräsidentin.“

Gestern war im Deutschlandfunk ein Bericht über die US-Einwanderungspolitik und die Rolle von Kamala Harris zu hören. Der Beitrag stammte von ARD-Korrespondent Torsten Teichmann und ist noch auf tagesschau.de nachzulesen.

Man studiere einmal folgende Passage:

In den USA steht die 56-Jährige damit nun endgültig unter Beobachtung. Die Erwartungen an sie waren von Anfang an hoch: Harris ist die erste Frau im Amt der Vizepräsidentin, die erste schwarze Amerikanerin, die erste Amerikanerin mit südostasiatischen Wurzeln auf dem Posten. Sie sei sich dessen bewusst, erklärte Harris vor Kurzem im Interview mit dem Fernsehsender CNN.

Es ist noch nicht so lange her, da war es selbstverständlich, vom „Amt des Vizepräsidenten“ zu sprechen. Der im Zitat markierte Satz macht die Fallstricke der Gendersprache deutlich. Ein Posten, der sich „Amt der Vizepräsidentin“ schilt, kann landläufig eben auch nur von einer Frau besetzt werden. Das entspricht dem herkömmlichen Sprachverständnis.

Gerade in diesem Kontext zeigt das generische Maskulinum seine Stärken, da der springende Punkt – erste Frau in einem zuvor nur von Männern ausgeübten Amt – viel besser zur Geltung kommt, wenn man schreibt:

Harris ist die erste Frau im Amt des Vizepräsidenten.

Der gendergerechte Satz bekommt also eine unverhofft komische Wirkung und verwischt quasi den historischen Moment der weiblichen Machtergreifung. Und es ist und bleibt natürlich auch ein peinliches Gutmenschendeutsch, das hier praktiziert wird. Vorauseilender Gehorsam gendersensibler Qualitätsjournalisten bei gleichzeitiger Ignoranz gegenüber sprachlichen Feinheiten jenseits des Gender-Paradieses.

Wie soll Harris die erste Frau in einem „Amt der Vizepräsidentin“ sein? Bzw. was ist daran so besonders?

Unser Sprachgefühl ist da eindeutig.

Feministinnen und Genderverstrahlte antworten an dieser Stelle für gewöhnlich beleidigt, daß jetzt eben mal zurückgeschlagen werde und die doofen Männer es ertragen müßten, daß man auch mal weibliche Formen verwende, und Männer mitgemeint seien.

Dieses Argument funktioniert aber eben nur in einer akademischen Blase der Selbstgerechtigkeit, in der man sich vom allgemeinen Sprachverständnis abgekoppelt hat. Man kann noch so sehr behaupten, daß ein Begriff wie „Amt der Vizepräsidentin“ generisch zu verstehen sei.

Man versteht ihn eben nicht generisch. Weil Sprache nicht in Professorenzimmern oder fanatisierten Feministinnengehirnen hergestellt wird. Oder sich von eingebildeter Moral beeindrucken läßt. Sprache konstituiert sich allein durch den alltäglichen Gebrauch. Durch das normale Volk. Sprache ist direkte Demokratie.

Was nicht der Konvention oder dem Sprachgefühl entspricht, wird schlicht aussortiert bzw. nicht für voll genommen.

An dieser Stelle fällt mir spontan ein Zitat von Immanuel Kant ein, das ich mal in einem Architekturforum aufgeschnappt hatte und das ein User in seiner Signatur verwendete:

Schön ist, was ohne Begriff allgemein gefällt.

Dieses Bonmot ist natürlich als ein bissiger Seitenhieb auf einige Spielarten der modernen Kunst und Architektur zu verstehen, deren „Schönheit“ oder Aussagekraft man sich nur mit einem Universi-tätsstudium und allerlei schöngeistiger Akrobatik herbeireden kann. Schönheit ist laut Kant also letztlich eine Sache der Schwarmintelligenz, des gesunden Menschenverstandes.

Schönheit ist kein Produkt intellektueller Verrenkungen, sondern des unmittelbaren emotionalen Erlebens.

Ich übersetze Kants Kommentar zur Ästhetik mal auf die sprachliche Ebene:

Sprachliche Sinnhaftigkeit ist, was ohne Begriff allgemein praktiziert und als sinnvoll empfunden wird.

Das ist natürlich das Todesurteil für die „geschlechtergerechte“ Sprache und all den pseudointellektuellen Müll drumherum. Und man kann gar nicht oft genug betonen, daß jeder Gender-Unfug bereits unweigerlich an unserem ästhetischen Empfinden scheitert – denke man sich auch noch so komplizierte sprachliche oder moralische Rechtfertigungen dafür aus.

Sprache ist nicht etwas, das man irgendwie herbeiargumentieren kann. Sprache ist gewissermaßen ein natürliches Lebewesen, das so, wie es ist, in Ordnung und richtig ist. Wissenschaftler können dieses Lebewesen beschreiben. Jeder Versuch aber, diese alltägliche Sprache mithilfe paranoider Denkfiguren in den Dreck zu ziehen, muß scheitern.

Und da fragt man sich erneut: Wie gestört und krank im Kopf müssen all die Gender-„Linguisten“ an den Universitäten sein, die diese einfache Wahrheit nicht begreifen? Sie haben einfach nicht verstanden, daß Sprache zu allererst Ästhetik ist. Sprache muß sich gut anfühlen. Und Gender-Lücken und Doppelnennungen fühlen sich definitiv so schlecht an, daß niemand – auch die meisten Gender-Spasten nicht – in seinem Alltag so spricht.

Immanuel Kant würde sicherlich herrlich gegen die Gendersprache polemisieren. Denn diese Sprache verdankt ihre vermeintliche Sinnhaftigkeit lediglich den Hirngespinsten verpeilter Akademiker, nicht einem unmittelbaren Empfinden.

Sinnhaftigkeit wird aber durch ein allgemein übliches Sprechen hergestellt, das jedermann ohne Nachdenken versteht. Die Gendersprache wird im Volk nicht praktiziert und existiert daher gewissermaßen gar nicht. An dieser Stelle muß man sich auch mal wieder Gedanken darüber machen, wieviel Lichtjahre eigentlich ein großer Teil der Linguisten davon entfernt ist, das Wesen von Sprache zu verstehen.

Diese Leute kommen einem vor wie Bauingenieure oder Physiker, die nicht wissen, was ein rechter Winkel ist, und die sich einfach neue Naturgesetze ausdenken, weil ihnen die alten irgendwie nicht passen.

Und das labeln sie dann als „antiautoritäre Physik“, die mehr Diversity in die Welt bringt. Die Welt hat geradezu gewartet auf diese neuen Gesetze – nur funktionieren sie irgendwie noch nicht so richtig.

Man kann sich so progressiv fühlen, wie man will. Ein „Amt der Vizepräsidentin“ entspricht einfach nicht dem Sprachgefühl. Auch wenn ich Kamala Harris dieses Amt sehr gönne.

Das gegenderte Amt schmälert nur unnötig den Bedeutungsraum und erzeugt eine gewisse Redundanz.

Auf diese Dinge haben übrigens auch schon die drei Professorinnen hingewiesen, die jüngst gegen die Kastration des generischen Maskulinums im Online-Duden protestierten. Im Menüpunkt Presseschau ist ein Artikel zu diesem Thema verlinkt.

Ein Satz wie folgender befriedigt zwar den Gleichstellungsbe-auftragten in uns, transportiert aber auch eine gewisse Ambivalenz:

Bundeskanzlerin Angela Merkel gehört zu den wichtigsten Politikerinnen der Welt.

Wie hört sich dieser Satz an:

Bundeskanzlerin Angela Merkel gehört zu den wichtigsten Politikern der Welt.

Nun ja.

Das generische Maskulinum hat eben durchaus seinen Sinn.

Und Gendern macht Frauen mitunter unwichtiger und kleiner, als sie es eigentlich sind.

Gendern bis zur Vergasung

Heute ist Führers Geburtstag. Aber damit hat es wohl weniger zu tun, wenn eine Redakteurin des Deutschlandfunks bis zur Vergasung gendert.

Im Deutschlandfunk gendert man ja sowieso bis zum Endsieg der totalen Geschlechtergerechtigkeit. Insofern ist es nicht weiter erwähnenswert, wenn ich heute mal einen Beitrag aus der Sportredaktion herausgreife und genauer bespreche. Der Beitrag ist repräsentativ für das ganze Programm des Deutschlandfunks und kann noch bis ins Jahr 2038 runtergeladen bzw. angehört werden.

In der Anmoderation gendert der Moderator schon fleißig drauf los und spricht von den „Athletinnen und Athleten“ sowie den „Sportlerinnen und Sportlern“. Es geht um die Olympischen Spiele in Tokio und die leidliche Frage nach dem Impfen der deutschen Teilnehmer.

Dann antwortet die Sportredakteurin Marina Schweizer und nervt den arglosen Hörer gleich mit folgenden kryptischen Worten, als sie vom Moderator nach der Lage der Dinge gefragt wird:

Der Deutsche Olympische Sportbund geht aktuell von 800 Personen aus, die zu Olympia fahren, und 300 Personen zu den Paralympics. Also da geht es um Athletinnen und Betreuer. Es bestehe Einigkeit, daß die Athletinnen und Athleten zeitgerecht vor den Olympischen Spielen geimpft werden sollen.

Wüßte man nicht, daß wir im Gender-Irrenhaus leben, so könnte man meinen, hier sei eben zuerst nur von weiblichen Athleten und männlichen Betreuern die Rede. Wir sind aber Akademiker und wissen daher bescheid, daß das sprachlicher Gender-Ablaßhandel ist und man eben auch mal einfach eine weibliche Form platziern will, um das eigene Gutsein zu zelebrieren – koste es, was es wolle.

Diese Praxis des Anarcho-Genderns, das dem normalen Deutsch und jeder Grammatik und Semantik Hohn spricht, ist die vierte Säule des heutigen Genderwahns – neben Doppelnennungen, Gender-Lücken und Gerundien. Binnen-I und andere ältere Genderliturgien bleiben hier mal außen vor.

Den Journalisten im Radio und Fernsehen ist unsere deutsche Sprache und ihre Sinnhaftigkeit so scheißegal – und ihr Gender-Kult derartig wichtig, daß sie guten Gewissens diesen widersinnigen Selektiv-Plural praktizieren. Daß das niemand im normalen Volk versteht geschweige denn praktiziert, ist ihnen ebenfalls egal.

Hauptsache, man hat mal wieder irgendwo eine weibliche Form untergebracht – sei es auch noch so bizarr und schizophren.

Es ist also eine gängige Variante des Genderwahns, bei mehreren Pluralformen in einer Aufzählung einige auch zu verweiblichen. Da kommt dann so etwas heraus wie „Ärztinnen und Apotheker“ oder „Fußgängerinnen und Radfahrer“.

Ich muß das wohl nicht weiter kommentieren. Man muß wohl schon richtig scheiße im Kopf sein, um so etwas fabrizieren zu können. Wir können wirklich froh sein, daß 75% der Menschen in Deutschland kein Abitur haben.

Das Frappante an obigem Zitat mit dem Anarcho-Plural ist, daß dort zwei Systeme des Plurals direkt nebeneinander stehen, die sich jeweils widersprechen. Der Redakteurin ist das offenbar egal. Zum einen der genderromantische und widersinnige „Selektivplural“ („Athletinnen und Betreuer“). Zum anderen die reine Lehre der Doppelnennung beider Geschlechter („Athletinnen und Athleten“). Na ja. Ich bin immer wieder fassungslos, wie unglaublich zwanghaft diese Sprachpraxis ist – also wie krank man im Hirn sein muß, um das überhaupt sprechen und vor sich selbst durchgehen lassen zu können.

Wo sind da die Kontrollinstanzen in unseren angeblich so seriösen Qualitätsjournalisten? Wie scheiße muß man im Kopf sein, wenn man nicht von allein auf die simple Frage kommt: Warum spreche ich dieses Deutsch nur, wenn ich auf Sendung bin?

Etwas später in dem Beitrag kommt dann dieser Satz:

Man wolle auf keinen Fall riskieren, daß die Athletinnen und Athleten, die Betreuer für andere anläßlich der Olympischen Spiele ein Infektionsrisiko darstellen.

Haben die „Athletinnen und Athleten“ nur männliche Betreuer oder was?

Oder soll ich als Hörer jetzt schnurstracks in einer Millisekunde umschalten und das generische Maskulinum wieder ins Recht setzen und das Wort „Betreuer“ geschlechtsneutral verstehen?

Was wollt Ihr eigentlich von mir als Hörer? Soll ich nun ein Fan des Gender-Idioms werden oder doch die schlümme, patriarchale Sprache anerkennen, die uns alle so diskriminiert? Was wollt Ihr Vollidioten eigentlich?

Man entschuldige bitte meine klaren Worte. Aber als proletarisierter Ossi kann ich nicht anders und frage mich schon, wo die Logik bei dem Ganzen geblieben ist. Ich habe schon verstanden, daß diese neue Sprache angeblich „geschlechtergerecht“ sein soll. Das habe ich kapiert.

Wo aber bleibt dann die Konsequenz? Warum wird überhaupt noch das generische Maskulinum verwendet, das ja „geschlechter-ungerecht“ ist?

Ihr Gender-Freaks müßt Euch schon entscheiden, was Ihr wollt. Beide Werte widersprechen sich. Entweder ist das generische Maskulinum eine schreiende Geschlechterungerechtigkeit – oder eben nicht. Folglich muß man als Normalbürger aus der realexistierenden Genderpraxis schließen, daß das ganze pseudo-moralische Brimborium um die angebliche „Gendergerechtigkeit“ ein Fake und Schwachsinn ist.

Ich bin so freundlich und erkläre diese Dinge hier. Menschen ohne Abitur brauchen das gar nicht. Die wissen sowieso, daß Gendern Schwachsinn ist. Gender-Zombies kapieren diese Dinge aber selbst dann nicht, wenn man sie ihnen halbwegs akademisch auseinandernimmt.

Da scheint man wohl etwas besoffen von der eigenen gefühlten Moral zu sein.

Anatol Stefanowitsch würde jetzt vermutlich antworten: Tja, wir müssen halt noch mehr gendern und den inneren Klassenfeind in uns bekämpfen, der manchmal doch noch zum generischen Maskulinum greift.

Die innere Klassenfeindin muß natürlich auch noch bekämpft werden. Ganz klar. Manchmal ist der Klassenfeind auch eine Frau oder „nonbinär“.

Na ja. Man kann diese Leute in ihrem infantilen moralischen Narzißmus und ihrer totalen Verblendung nur karikieren. Die Gendersprache in ihrem Lauf halten weder Ochs noch Eselin auf.

Im weiteren Verlauf des Beitrags erwähnt Marina Schweizer „Umfragen unter Athletinnen und Athleten“ und spricht in diesem Zusammenhang von „Antwortenden“. Dann sagt sie:

So wie es aussieht, wollen sich die Athletinnen und Athleten impfen lassen.

Dann werden wir auf einmal wieder mit dem generischen Maskulinum beglückt:

Man betont sehr stark, daß man sich den Schutz wünscht, möchte aber auf gar keinen Fall als Vordrängler gelten.

Von Gender-Zombies erwarte ich hier schon, daß man zumindest von „Vordrängelnden“ redet. Das sollte uns die „Geschlechter-gerechtigkeit“ allemal wert sein.

Dann wieder solch kryptische Zeilen:

Ob dafür Athletinnen und Athleten und deren Betreuer jetzt in der Impfreihenfolge vorgezogen werden müssen, das ist noch nicht klar.

Ihr kennt das Spiel. Die Betreuerinnen werden hier aber eindeutig sprachlich diskriminiert.

Dann dieser merkwürdige Satz hinsichtlich einer etwaigen Priori-sierung der deutschen Olympioniken:

Ob das fair ist, darüber diskutieren Beobachter jetzt schon seit ein paar Monaten […]

Ist die Gendersprache ein elitäres, ausgrenzendes Projekt? Oder warum ist es bei den „Beobachtern“ auf einmal nicht mehr so wichtig, das Volk über die enorme Geschlechtervielfalt in dieser Gruppe aufzuklären? Warum erfahren wir von „Athletinnen und Athleten“, nicht aber von „Beobachterinnen und Beobachtern“?

Dann das:

Das Team hat für viele den Charakter von deutschen Vertretern in der Welt.

Kein Kommentar. Bin gleich fertig mit der Horrorshow. Nur noch dieser Zombiesatz:

Und auch Kunst und Kultur könnten natürlich sagen, auch wir haben herausragende Vertreterinnen dieses Landes.

Wie scheiße muß man im Kopf sein, um solche Sätze formulieren zu können? Aber lassen wir das.

Puh. Das war ganz schön anstrengend, all diese sprachlichen Miß-geburten zu transkribieren. Ursprünglich ging es mir in diesem Artikel nur darum, mal einen Eindruck von einem ganz normalen, alltäglichen Radiobeitrag zu vermitteln, in dem bis zur Vergasung von „Athletinnen und Athleten“ gesprochen wird. Allein das ist ja schon absurd genug.

Bei genauem Hinhören fiel mir dann noch so einiges anderes auf – was aber dem üblichen Gender-Murks entspricht und keineswegs ungewöhnlich ist. Also vor allem die Inkonsequenz und Inkompetenz in der esoterischen Gender-Sprachpraxis. Fanatismus und Wahn-haftigkeit kommen noch hinzu, wenn man sich das letzte Zitat vor Augen führt und klarmacht, wie verstrahlt und deformiert man für solch eine Diktion sein muß.

Wer nicht regelmäßig den Deutschlandfunk hört und sich mal den ganz normalen Genderwahn im Radio zu Gemüte führen möchte, kann sich den hier durchexerzierten, vierminütigen Beitrag ja mal in Gänze anhören. Ich habe ihn mir auch für den Fall des Falles gespeichert.

Der Beitrag vermittelt gut, in was für einem Irrenhaus wir mittler-weile leben.

Und wie gesagt: Dieses „Deutsch“ muß man 24 Stunden am Tag ertragen. Es gibt kein Entrinnen.

Junge ARD-Journalistin polemisiert gekonnt gegen Gendersprache

Jüngst wurde ich bei der Google-News-Suche mit dem Begriff „Gendersprache“ auf ein Twitter-Video aufmerksam, in dem sich eine Volontärin des Bayerischen Rundfunks gegen die Gendersprache ausspricht.

 

 
Das Video ist insofern sehenswert und besonders, als Julia Ruhs den Gender-Unsinn nicht auf die blutleere, intellektuelle Tour zerpflückt, wie das leider häufig der Fall ist, sondern vor allem auf das unmittelbare emotionale und ästhetische Empfinden rekurriert. Sie zeigt, wie lächerlich und weltfremd der Gender-Firlefanz ist, was für ein elitär-verschrobenes Projekt diese ganze Chose ist.

Blutleer und intellektuell sind Gender-Kritiken dann, wenn sie etwas abgehoben und akademisch darauf verweisen, daß das grammatische Geschlecht im Deutschen nicht zwingend identisch sei mit dem biologischen. Das stimmt schon, trifft das Problem mit der Gendersprache aber nur sehr unzureichend, wie ich zu gegebener Zeit auf diesem Blog noch ausführen werde.

Entscheidend ist, daß der Gender-Dialekt schlicht und einfach dem Sprachgefühl widerspricht. Und dieses Sprachgefühl ist eben nichts Arbiträres, sondern unsere Mutter-Sprache. Es handelt sich um intuitive, unbewußte Strukturen, die in den ersten Jahren unseres Lebens entstehen. Daher ist es auch logisch, daß Kinder und Jugendliche gar nicht „gendern“ können. Denn dazu muß man sich a) anstrengen und b) genug pseudointellektuellen Wust im Kopf haben, um diese unglaubliche Schwachsinnssprache vor sich selbst überhaupt legitimieren zu können.

Kinder und Jugendliche haben noch nicht die Fähigkeit, derartig ihre natürlichen Gefühle zu verleugnen, wie das bei Erwachsenen, speziell Akademikern, der Fall ist.

Aber das erzähle man mal einem dieser völllig verblendeten Professoren von der Gender-Front, die von ihrer moralischen Mission besessen sind.

Das Twitter-Video von Julia Ruhs ist auch insofern lehrreich, als sich im Kommentarbereich eine Menge Leute tummeln, die noch mal unfreiwillig und in aller Deutlichkeit zeigen, wie wenig Ahnung Fans der Gendersprache von der Materie haben. Bevor ich aber hier exemplarisch mal einige dieser Kommentare aufgreife und durchkaue, seien noch mal kurz die Hauptargumente von Julia Ruhs aufgelistet:

  • die Gendersprache hat keinerlei Basis im Sprachgefühl, den       tiefsitzenden Sprachkonventionen
  • die Gendersprache wird nur in einer elitären „akademischen       Wohlfühlblase“ praktiziert
  • der Pöbel versteht nur Bahnhof
  • daher vertieft sich die Spaltung der Gesellschaft
  • entgegen der unfaßbar idiotischen Behauptung von Gender-       Sektenmitgliedern ist die „geschlechtergerechte Sprache“ eben kein       natürlicher Sprachwandel, sondern völlig künstlich
  •  

    Das sind im wesentlichen auch die wichtigsten „Argumente“ gegen den Genderwahn. Ich schreibe „Argumente“ hier in Anführungszeichen, da es sich genaugenommen um gesunde, intuitive Empfindungen handelt, über die jeder Mensch verfügt, der sich nicht durch die pseudointellektuelle, schöngeistige Welt linker Akademiker blenden läßt.

    Wir haben es ja im Grunde mit einer perversen Form der Intellektualität zu tun, wie sie heutzutage an der Universität üblich ist. Einer Intellektualität, die nicht geerdet ist, die den Kontakt zum normalen Alltag verloren hat und sich hauptsächlich in wohlfeilen, abstrakten Phrasen gefällt, mit denen man bei anderen Mitgliedern dieses Milieus Eindruck schinden kann.

    Manche bezeichnen dieses Phänomen auch einfach als Gutmenschentum. Was natürlich postwendend zu einer „Verurteilung“ dieses Begriffes führte, den man schnell zum „Unwort des Jahres“ erklärte. Die für dieses Verdikt verantwortliche Jury besteht ironischerweise aus genau demselben Typus phrasenverliebter moralischer Narzißten, der uns auch die Gendersprache eingebrockt hat und der sich nun durch den Begriff des Gutmenschen ertappt fühlt.

    Es geht seinen Gang, würde der DDR-Schriftsteller Erich Loest sagen.

    Das vermeintliche Gutsein ist für dieses Milieu ein Fetisch, sodaß es überwiegend leicht zu widerlegenden intellektuellen Schrott produziert, es aber selbst nicht merkt.

    Aber nun zu der versprochenen Abhandlung über die äußerst dürftigen Begründungen der Gendersprachen-Befürworter. Der erste Kommentar unter dem Video lautet wie folgt:

    Die Behauptung, Gendern sei kein natürlicher Sprachwandel ist kompletter Unsinn und zeigt, dass sich @juliaruhs kaum damit beschäftigt hat. Es gibt im Deutschen nunmal für fast alles auch die weibliche Form *innen. Und nicht erst seit gestern, sondern seit 1000 Jahren.

    So intellektuell scheint das Gender-Milieu dann doch nicht zu sein, wie ich eben behauptete. Das ist schon erschreckend primitiv. Denn in der Debatte geht es ja nicht um weibliche Endungen an sich, sondern um deren überflüssige, künstliche und inflationäre Verwendung. Um den politischen Mißbrauch von Sprache.

    Der obige Herr glaubt also, Gender-Sternchen, Unterstriche, Gerundien, Doppelnennungen und allerlei anderen Unsinn als natürlichen Sprachwandel bezeichnen zu können, weil es schon seit eh und je weibliche Endungen gebe. Das ist das intellektuelle Niveau der Gendersprachler.

    Übrigens nicht nur von dahergelaufenen Twitter-Proleten wie in diesem Fall, sondern auch von waschechten Professoren der Gender-Front. Aber dazu später mehr.

    Auch ich verwende natürlich gerne weibliche Endungen. Aber eben nur dort, wo es die Konventionen auch gebieten, wo es dem natürlichen Sprachgefühl entspricht.

    Man muß sich schon extrem dummstellen, um einen Kommentar wie den obigen ablassen zu können. In dieser Art argumentieren eigentlich alle Befürworter der Gendersprache. Das passiert, wenn das vermeintliche Gutsein, der Zeitgeist den Lebenszweck eines Menschen darstellen.

    Der obige, begriffsstutzige Kommentar war dem Nutzer vermutlich selbst peinlich, denn er ließ sich – auch nach intensiver Suche – nicht mehr wiederfinden und wurde wohl gelöscht. Glücklicherweise hatte ich den Wortlaut bereits in einer Textdatei gespeichert.

    Aber nun zum nächsten Twitter-Experten für eine gerechtere Welt:

    Ein typisches Merkmal der Gender-Ideologie und aller Ideologien überhaupt sind die völlig willkürlichen und herbeiphantasierten Behauptungen, die das Glaubenssystem stützen sollen.
    Es gibt keinerlei Belege dafür, daß „Inklusion“ von der Gendersprache abhängig wäre. Es gibt auch keinerlei Belege dafür, daß man Frauen gegenüber respektvoller wäre, wenn man bis zur Vergasung gendert.

    Und daß alle Sprache angeblich „erfunden“ wurde, daran glaubt wohl nur Claire im Wunderland.

    Es erübrigt sich hier zu betonen, daß es neben vielen Frauen auch diverse „Diverse“ gibt, die die Gendersprache keineswegs für eine Wohltat, sondern für Unsinn halten. Darüberhinaus scheinen die Gender-Wortmißgeburten auch für Ausländer und Sehbehinderte nicht gerade der „Inklusion“ dienlich zu sein.

    Aber das alles will natürlich nicht so recht in das schöne Glaubens-system der Gender-Utopisten passen.

    Dieser Tweet ist ein schönes Beispiel für die häufig sehr infantile Geisteshaltung der Gender-Fanatiker – und für deren totalitären Habitus. Diese Leute phantasieren sich alles Mögliche im Pippi-Langstrumpf-Modus herbei, nur um sich „gut“ und „fortschrittlich“ fühlen zu können. Na ja, die Dame ist noch jung.

    Ideologien leben letztlich immer davon, daß pauschal etwas „Gutes“ auserkoren wird – und diesem „Guten“ genauso pauschal etwas „Böses“ entgegengestellt wird. Die Begründungszusammenhänge und die Konstruktionen dieses „Guten“ und „Bösen“ sind zumeist beklemmend dumm und willkürlich, aber sie befriedigen das tiefe Bedürfnis, zu den „Guten“ zu gehören und das „Böse“ hassen und bekämpfen zu dürfen.

    Dieser Gut-Böse-Dynamik wird alles untergeordnet, sodaß die meisten Gender-Esoteriker intellektuell nicht mehr erreichbar sind. Das vermeintliche Gutsein wird zum Fetisch, zur fixen Idee. Das ist die DNA aller Ideologien. Völlig egal, ob sie einen linken oder einen rechten Anstrich haben.

    Wer es wagt, das Gute zu hinterfragen, ist dann folgerichtig ein Häretiker oder eben ein Frauenfeind. Irgendetwas Böses jedenfalls, das bekämpft werden muß. Es wäre zu schmerzlich, sich den eigenen Verleugnungszustand eingestehen zu müssen.

    Diese Dynamik erklärt, warum das, was Befürworter der Gendersprache als „Argumente“ präsentieren, derartig schlicht und undurchdacht ist. Im Grunde ist es die Angst, erwachsen zu werden und das vermeintlich Gute infrage zu stellen.

    Aber dieser Artikel soll nicht in eine tiefenpsychologische Therapie-stunde ausarten. Mehr dazu bei Alice Miller.

    Es ist jedenfalls erschreckend, auf was für eine extrem billige – nämlich rein formalistische – Weise Gender-Fans das generische Maskulinum zur Ausgeburt des Bösen erklären, das Frauen angeblich nicht repräsentiere, obwohl unsere Diktion tagtäglich das Gegenteil beweist.

    Aber wie gesagt: Solch herbeikonstruierte, simple Gut-böse-Schemata sind die Essenz jeder Ideologie.

     

    Unter dem Video von Julia Ruhs hat sich übrigens auch noch ein ausgemachter Professor für Literaturwissenschaft zu Wort gemeldet. Man sollte aber nicht meinen, daß dessen Ausführungen wesentlich klüger wären als die der beiden Twitter-Proleten, die hier bereits zu Wort kamen.

    Eigentlich sollte der Verriß dieser Äußerungen den Höhepunkt dieses Blogartikels darstellen. Denn der Professor blamiert sich wirklich sehr professionell. 🙂

    Ich wollte aber nicht, daß sich dieser Artikel zu sehr in die Länge zieht, und werde daher den Professor noch einmal gesondert zu Wort kommen lassen. Man hält es nicht für möglich, was ausgemachte „Wissenschaftler“ für einen Quatsch absondern können, sobald sie zur Gender-Religion konvertiert sind.

    Bis dahin vergnüge man sich mit den anderen Freunden der Gendersprache, die sich brutalstmöglich unter dem Video von Julia Ruhs tummeln.

    So wie dieser hier:

    Oder dieser: