Die kulturelle Unbehaustheit der Monika Grütters

Kürzlich ergatterte ich mal eine mittelalte Ausgabe des „Focus“ vom Ende des letzten Jahres. Darin ein Artikel über das neue Berliner Stadtschloß und ein Interview mit unserer obersten Kultur-gouvernante Monika Grütters, ihres Zeichens CDU-Mitglied und kurzzeitig auch Chefin des Berliner Landesverbandes.

Wie weit die deutschen Konservativen schon degeneriert sind, kann man wohl folgender Passage entnehmen, in der Grütters kräftig gendert und der die Frage vorausging, was am Humboldt-Forum denn so anders sein werde im Vergleich zu anderen ethnologischen Museen:

Viele dieser Museen in Deutschland und auch anderswo erzählen eher aus der eigenen und damit vor allem aus der europäischen Perspektive. Im Humboldt Forum wurden dagegen viele Präsentationen im engen Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern der Herkunftsgesellschaften erarbeitet.

Darüber hinaus werden wir es dem Humboldt Forum ermög-lichen, ein nachhaltiges Residenz-Programm für Kuratorinnen und Kuratoren aus diesen Ländern zu etablieren.

Würde man nicht wissen, daß Monika Grütters hinter diesen Zeilen steht, könnte man auch einen linksparteilichen Kultursenator als Urheber vermuten – oder eine grüne Diversity-Beauftragte. Dieses zwanghafte Gender-Deutsch hört man jedenfalls fast ausschließlich aus den Mündern von Vertretern des linken Spektrums – von der allgegenwärtigen Phrase „Bürgerinnen und Bürger“ mal abgesehen.

Unseren Politikern fällt die Künstlichkeit dieser sprachlichen Ver-renkungen ja gar nicht mehr auf. Gleichzeitig beklagen sie Politikverdrossenheit und „Rechtspopulismus“.
Sie sind auch verblödet und verblendet genug, um nicht mehr zur Seite treten zu können, mal kurz innezuhalten und sich zu fragen, warum sie dieses geschwollene Kunstdeutsch nicht auch im Privaten praktizieren.

Diese und andere nur zu offensichtliche Widersprüche sind ihnen und all den anderen Gender-Propheten schlicht egal. Zweifel sind konterrevolutionär und stören nur den Endsieg des Guten.

Soziologen sollten sich mal zur Abwechslung nicht mit der „Konstruktion von Geschlecht“ befassen, sondern mit der Kon-struktion von „Geschlechtergerechtigkeit“. Nur ein kleiner Tip von mir für mehr akademische Diversity.

Eigentlich wären Konservative ja dazu da, um ein Korrektiv zu bilden gegenüber linken Spinnereien. Aber diese Korrektiv-Funktion hat die CDU offenbar an die AfD outgesourct – die wiederum im Geiste der Planübererfüllung ans Werk geht.

 

In der Menü-Rubrik „Panorama“, die bis vor kurzem noch „Chronik“ hieß, sammle ich die eine oder andere Merkwürdigkeit, die einem so ins Auge fällt, wenn man unsere Medien im Hinblick auf Gender-Gedöns studiert. Dort werde ich auch die obigen Einlassungen von Monika Grütters endlagern.

Die ganz normale Gendersprache hat ja sowieso schon einen ziemlichen Nervfaktor. Aber hin und wieder zeigt sich die Absurdität dieses Gutmenschen-Idioms etwas deutlicher und drastischer. Und diese Momente möchte ich in der Rubrik Panorama festhalten, die ich immer mal wieder neu befülle.

Es wird auch noch die eine oder andere weitere Kategorie hin-zukommen. Die echten Gaga-Momente werden natürlich auch noch ihren wohlverdienten Platz erhalten. Es bleibt ja nicht bei Nervigkeiten wie bei unserer Kulturpflegekraft Grütters. Manchmal wird es auch richtig gaga.

Ganz auszuschließen ist es ja nicht, daß wir es bei dem Gegendere in Wirklichkeit mit einer dadaistischen Kunstform zu tun haben, die uns dafür sensibilisieren will, wie schön unsere Sprache eigentlich sein könnte, wenn sie nicht durch Ideologien deformiert wird. Alles eine riesige Kunstperformance von Marina Abramovic, die den sprach-lichen Masochismus feiert und zur neuen Lebensform erklärt.

Schön wär‘s.

Vielleicht sollte mal irgendein Künstler mit Eiern einfach ein großes Stück weißes Papier mit allen möglichen Gender-Abarten und Unarten vollkritzeln und das dann als moderne Kunst lobpreisen. Titelvorschlag: „Ich gendere, also bin ich.“

Wo ist eigentlich Joseph Beuys, wenn man ihn mal braucht?

Zur Not tut es auch Marcel Duchamp.

Wäre ich Künstler, würde ich einfach einen zwei Meter großen Gender-Stern auf die Leinwand malen oder abdrucken und das Kunstwerk dann „Le genderstar“ taufen. Aufmerksamkeit und Publicity wären mir gewiß. Kunststudenten würden Doktorarbeiten über meine geniale Kunst schreiben. Feministinnen und Gleich-stellungsbeauftragte würden mich entweder feiern oder wegen Blasphemie kastrieren.

Oder wie wäre es mit einem ähnlich großen Schriftzug aus dem Wort „Führer*innen“? Wobei der Gender-Stern dann natürlich durch ein drolliges Hakenkreuz ersetzt wird. Das Kunstwerk bekommt dann den Titel „Wenn Nazis gendern“.

Ich sehe schon eine große Zukunft als Künstler vor mir. Hoffentlich kriegt Anselm Kiefer keinen Wind von diesem Artikel.

Na ja. An dieser Stelle kann man ja ruhig mal sagen, daß heutige Künstler einfach keine Eier mehr haben, ein Dasein als gleich-geschaltete Gutmenschen fristen und völlig unfähig sind, auch mal Gesellschaftskritik zu üben, die nicht vulgärorthodoxgeschmeidig links ist.

Aber zu guter Letzt noch mal zurück zu Monika Grütters und ihrer Kunstsprache. Vor nunmehr knapp drei Jahren, als Monika noch Berliner CDU-Chefin war, bezeichnete unsere Reichskultur-verweserin einmal – mit Blick auf proletarisierte, gottlose Ossis aus Marzahn – Ungläubige als „kulturell Unbehauste“.

Ich bezeichne hiermit Monika Grütters ebenfalls als kulturell un-behaust.

Denn künstliches Gender-Deutsch gehört ganz gewiß nicht zu unserer vielgerühmten teutonischen Kultur.

Britta freut sich über mehr „#Vielfalt #Geschlechtergerechtigtkeit“

Na, da freuen wir uns doch mal mit der lieben Britta. Endlich dürfen wir im Bundestag Gender-Sterne und weiteres Gedöns verwenden. Das Patriarchat ist kurz vor seinem wohlverdienten Ende.

Denn wir wissen ja: Sprache bestimmt unser Bewußtsein. Durch Sprache wird die Wirklichkeit erst zur Wirklichkeit. Bombardiert man uns also nur lange genug mit Gender-Sternen, Gender-Lücken, Gender-Gerundien und anderen ätzenden Überflüssigkeiten, so werden selbst die renitentesten alten, weißen Männer zu kastrierten Lila-Pudeln.

Interessant ist, daß diese Frau offenbar wirklich glaubt, Gender-Sterne und anderes Gedöns seien tatsächlich „geschlechtergerecht“. Also sie nimmt diesen Begriff offenbar völlig ernst. Sie ist augenscheinlich noch nie auf die Idee gekommen, dieses Konstrukt zu hinterfragen. Dabei sind doch gerade viele Linke wahre Experten im Dekonstruieren.

Britta Haßelmann ist übrigens Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Solch kompetente Damen spült die Frauenquote also in die Bundespolitik.

Dieselbe Britta rätselt vermutlich auch, woher der schlimme Rechtspopulismus kommt und was es mit der grassierenden Politikverdrossenheit so auf sich hat, wo Britta doch so tolle Sachen im Bundestag macht.

Ein relativ alter, weißer Mann kann nicht anders und übt sich in männlich-dominantem Verhalten angesichts von Brittas Freudentweet:

britta-hasselmann-twitter-gender-stern-bundestag

Der Kampf gegen das Patriarchat muß wohl noch ein bißchen weiter gekämpft werden.

Und Britta ist ganz vorn dabei.