„Merkel ruft Bürgerinnen und Bürger zu Corona-Impfung auf“

Ich muß niemandem erklären, was für ein Unsinn der Gender-Unfug ist. Heute durften meine trüben Augen im Nachrichtenüberblick auf deutschlandfunk.de folgende Zumutung sehen:

 

merkel-ruft- buergerinnen-und-buerger-corona-impfung

 

Im übrigen durften auch meine geplagten Ohren diese Meldung zuvor im Radio hören.

Wie abgedriftet muß man eigentlich sein, um bei der Meldung

Merkel ruft Bürger zu Corona-Impfung auf

zu denken, daß Merkel hier nur Männer adressiert?

Wie geistesschlank muß man sein, wenn man als Redakteur denkt: Na gut, schreiben wir mal gendergerecht von „Bürgerinnen und Bürgern“. Schließlich hat uns das die Gleichstellungsbeauftragte empfohlen. Und ich will ja kein schlümma Sexist sein.

Ich schreibe das bewußt so provokativ, weil es ja eines der größten Rätsel der Gender-Geisteskrankheit ist, wie sehr erwachsene, gebildete Menschen sich freiwillig derartig vom normalen Sprachgebrauch abkoppeln können. Kein normaler Mensch spricht so. Und jenseits des Beruflichen und Öffentlichen spricht natürlich auch der gemeine Nachrichtenredakteur nicht so. Ich müßte mir die Zunge verrenken, wenn ich in einem Gespräch mit Kumpels oder der Sippschaft allen Ernstes von „Bürgerinnen und Bürgern“ spräche.

Gendern ist geradezu das Paradebeispiel für eine pharisäerhafte Pseudomoral.

So geht die Nachrichtenmeldung übrigens weiter:

Bundeskanzlerin Merkel hat die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland aufgerufen, die Angebote für Corona-Impfungen zu nutzen.

Wie wunderschön „geschlechtergerecht“.

Früher, in „geschlechterungerechten“ Zeiten, waren wir so doof und haben bei „Bürgern“ selbstverständlich an alle Bürger gedacht, da eine Doppelnennung schlicht und einfach viel zu umständlich ist und sich reichlich bescheuert anhört. Welch ein Glück, daß wir Akademiker haben, die in Experimenten „nachweisen“ konnten, daß das ein fataler Irrtum war. Wir haben uns geirrt! Wir stellen uns bei dieser Formulierung nämlich zu wenig Frauen vor.

Was uns bisher aufgrund unseres schlimmen Sexismus einfach nicht aufgefallen ist. Wie konnten wir nur?

Das hat die Wissenschaft festgestellt. Sprache soll schließlich nicht einfach und problemlos funktionieren, sondern sie soll die hohen moralischen Bedürfnisse einer kleinen, weltfremden akademischen Minderheit befriedigen.

Die Wissenschaft ist klüger als wir. Sie hat ein erhebliches Defizit an „Geschlechtergerechtigkeit“ in unserer Sprache ausgemacht. Hoffentlich verstehen das irgendwann auch Bauarbeiter und Aldi-Kassiererinnen. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn sie einfach geschlechterungerecht weitersprächen – und die bahnbrechenden Forschungen von Gender-Alchimisten ignorierten. Das geht nun wirklich nicht.

Chantal, Kevin und Mandy aus Hellersdorf sind bestimmt schon ganz heiß darauf, endlich „geschlechtergerecht“ sprechen zu können. Und bereuen bitterlich ihre Genderungerechtigkeit, die sie aufgrund ihrer unterschichtigen Bildungsferne einfach nicht wahrgenommen haben!

An solch einen kruden Unsinn glauben unsere Universitätsgelehrten um Koryphäen wie Anatol Stefanowitsch tatsächlich. Sie glauben nicht nur, daß es erstrebenswert sei, ein elitäres Kunstdeutsch zu etablieren – sie gehen wirklich davon aus, es bestehe eine realistische Chance, daß die große Mehrheit des Volkes irgendwann freiwillig so spreche und sich die Zunge verknotet.

Alles im Dienste der Schaffung des neuen Gender-Übermenschen.

Und an dieser Stelle wird klar, was für unglaubliche Trottel und Wahn-sinnige, die völlig den Kontakt zur Realität verloren haben, heutzutage in unseren Hochschulen Karriere machen können.

Man kann diesen akademischen Vollidioten der Gender-Front gar nicht doll genug rhetorisch in die Eier treten und sie als Psychopathen entlarven. Die Gehirnerweichung in diesem Milieu geht auf keine Kuhhaut. Dagegen sind Mandy, Kevin und Chantal aus Hellersdorf regelrechte Intelligenzbestien.

 

Vielleicht sollten wir uns alle rückwirkend vom normalen Deutsch distanzieren, Buße tun und feierlich eingestehen, daß wir jahr-zehntelang immer aneinander vorbeigeredet und uns nie verstanden haben. Erst die Gendersprache verschafft uns Erlösung und stellt endlich die heißersehnte „Geschlechterrepräsentativität“ wieder her. Das wäre auch eine Art von Forschungsförderung. Die Gender-Forschung könnte dringend solch eine Unterstützung gebrauchen.

Wir ändern einfach die Empirie – aus Mitleid mit unseren armen Gender-„Forschern“, deren Postulate irgendwie nicht so recht mit der Wirklichkeit zusammenpassen wollen. Da helfen wir einfach ein bißchen nach.

Na ja. So geht‘s weiter:

Merkel betonte, die große Mehrheit der Patienten, die im Krankenhaus oder auf der Intensivstation behandelt würden, seien ungeimpft.

Aha. Betrifft also nur die männlichen Patienten. Was ist mit den Patientinnen? Liegen nur Männer im Krankenhaus? Oder ist Impfen für Frauen weniger sinnvoll, da man als Frau sowieso auf der Intensiv-station landet? Egal, ob geimpft oder ungeimpft?

Entweder ist es sinnvoll, von „Bürgerinnen und Bürgern“ zu sprechen – oder eben nicht. Ganz offensichtlich ist es unnötig, da man auch nicht von „Patientinnen und Patienten“ spricht. Was soll ich als strebsamer Kämpfer für wortreiche „Geschlechtergerechtigkeit“ nur tun? Ich bin völlig verwirrt. Ist die Gendersprache etwa doch Unfug und ich darf „Patienten“ generisch verstehen?

Ich sage ja immer wieder: Man kommt in Teufels Küche mit dieser Gender-Scheiße. Aber Gender-Zombies interessiert es sowieso nicht die Bohne, was für eine sprachliche Müllhalde entsteht, wenn man ihre Konzepte wirklich konsequent anwenden und ernst nehmen würde.

Das eigentlich Perverse und Verstörende ist, daß unsere Gesellschaft mittlerweile derartig verblödet ist, daß solche Kindergarten-Satiren, wie ich sie hier vorführe, überhaupt möglich sind. Was ist das für eine Realität, die solche Parodien zuläßt? Was für Vollidioten stecken hinter der Gender-Scheiße und verkrüppeln unsere Sprache?

Blöderweise entsteht die geschilderte Repräsentationslücke beim Wort „Patienten“ erst durch‘s Gendern selbst. Erst der grassierende Gender-Dialekt führt dazu, daß das generische Maskulinum unbrauchbar wird und wir nur noch an Männer denken. Jedenfalls wäre das so, wenn die Träume von Gender-Alchimisten in Erfüllung gingen und wir den Gender-Scheiß wirklich ernst nähmen.

Das macht natürlich niemand. 🙂

Davon abgesehen ist der zitierte Satz nicht gerade qualitätsjourna-listisch, was leichter auffällt, wenn man den Relativsatz wegläßt:

Merkel betonte, die große Mehrheit der Patienten seien ungeimpft.

Autsch. Aber die allgemeine sprachliche Verwahrlosung soll auf diesem Blog nur Nebenthema sein.

Ich muß hier niemandem erzählen, daß Gendern ein völlig irres Kon-zept ist, da man wahllos und planlos auf das generische Maskulinum rekurriert, um es im nächsten Moment wieder zu kastrieren und das geschlechtergerechte Utopia entstehen zu lassen. Und um dann abermals wieder auf das vertraute Maskulinum zurückzugreifen und so weiter. Immerfort.

Zwei verschiedene Konzepte mit sich widersprechenden Grundan-nahmen werden also ohne Sinn und Verstand gleichzeitig gebraucht – selbst die hartgesottensten Gender-Zombies verzichten nicht gänzlich auf das generische Maskulinum – und widersprechen damit sich selbst.

Gendern ist also nicht nur sprachästhetisch und von der Alltagsvernunft her schwachsinniger als ein Teletubbie. Es ist ein völlig lächerliches, unlogisches Konzept, da es so gut wie nie konsequent angewendet wird. Und die Befürworter dieses Unsinns stört das alles nicht im geringsten.

Aber was schreibe ich hier überhaupt?

Der eigentliche Skandal ist, daß dieser exorbitante Schwachsinn von Hochschulgelehrten propagiert wird, von Medienprofis. Man muß sich immer wieder klarmachen, daß wir hier von der intellektuellen Elite sprechen. Das sind nicht irgendwelche Spinner auf Facebook oder so, die ihrer Privatreligion frönen. Es handelt sich meist um vom Steuerzahler ausgehaltene Professoren, Promovierte, um Menschen mit Universitätsabschluß, die sich einbilden, Qualitätsjournalismus zu betreiben.

Ich persönlich finde es wichtig, daß man es auch klar und deutlich ausspricht, daß es sich bei diesen Leuten um komplette Vollidioten handelt, die nicht eins und eins zusammenzählen können.

Und ich befinde mich mit dieser Haltung in guter, antiautoritärer Tradition der 68er-Generation.

Spießertum erkennt man heute nicht am Gartenzwerg, sondern am Gender-Stern.

 

„Die Liste der weltweit größten Feindinnen und Feinden der Pressefreiheit“

Unsere Medienhäuser werden immer bekloppter. Als ich heute den Deutschlandfunk hörte, dachte ich noch an einen dummen Versprecher, Pardon, eine dumme Versprecherin der Nachrichten-tante, als sie von einer „Liste der weltweit größten Feindinnen und Feinden der Pressefreiheit“ sprach.

Nicht wegen der schlimmen Feindinnen, die nun gendergerecht die Pressefreiheit bedrohen, sondern weil die Nachrichtensprecher offenbar nicht mal mehr den richtigen Fall setzen können.
Daraufhin gab ich „deutschlandfunk feindinnen und feinde der pressefreiheit“ in die Suchmaschine ein und wurde eines besseren belehrt.

Es war kein Versprecher, keine Versprecherin. Es steht genauso im Text, den die Nachrichtenfrau vorlas. Und nicht nur dort:

Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ hat den ungarischen Ministerpräsidenten Orban auf die Liste der weltweit größten Feindinnen und Feinden der Pressefreiheit gesetzt.

Auch auf Twitter schreibt der Deutschlandfunk:

Von einer Nachrichtensprecherin kann man doch zumindest erwarten, daß sie so einen Unsinn nicht blind abliest. Da kann man auch gleich an die Künstliche Intelligenz übergeben.

Auch bei Faz.net findet sich der Fehler:

Die Liste der „Feindinnen und Feinden der Pressefreiheit“ umfasst 37 Staatsoberhäupter und Regierungschefs, die in besonders drastischer Weise die rücksichtslose Unterdrückung der Pressefreiheit verkörpern.

Selbst in einen zweiten Text auf Faz.net zum selben Thema hat sich der Fehler eingeschlichen. Und man bekommt unwillkürlich den Eindruck, daß da etwas nicht stimmen kann im Journalistenmilieu:

Als erster EU-Regierungschef : Orbán auf Liste „Feinde der Pressefreiheit“

Mit Viktor Orbán steht zum ersten Mal ein EU-Regierungschef auf der Liste der „Feindinnen und Feinden der Pressefreiheit“ der Organisation Reporter ohne Grenzen.

„Welt Online“ fabuliert:

Mit Viktor Orban steht zum ersten Mal ein EU-Regierungschef auf der Liste der „Feindinnen und Feinden der Pressefreiheit“ der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF).

Und bringt das Kunststück fertig, kurz zuvor in der Überschrift, den Kasus richtig zu setzen:

Orban steht auf der Liste der „Feindinnen und Feinde der Pressefreiheit“

Der Text auf Faz.net ist ausführlicher, gibt aber als Quelle die DPA an, womit vermutlich auch ein Schuldiger gefunden ist. Trotzdem ist es ein ziemliches Armutszeugnis, so einen Kasus-Stuß einfach so abzutippen.

 

Mir persönlich ist ein allgemeiner Trend aufgefallen. Das Sprach-niveau im Deutschlandfunk und auch in den Printmedien sinkt immer mehr, und es kommt zu immer obskureren sprachlichen Ungenauigkeiten. Mal hapert es beim Numerus, mal beim Kasus, mal beim Genus, oder es passieren andere Laxheiten.

Und das ist, wie ich meine, wohl zu einem nicht unwesentlichen Teil auch auf die Gender-Seuche zurückzuführen. Das zwanghafte Gendern bindet einen erheblichen Teil der Aufmerksamkeit und Konzentration. Man spürt regelrecht, wie die Moderatoren sich selbst kontrollieren und gegebenenfalls einschreiten. Manchmal reichen sie dann die weibliche Form pflichtbewußt nach, wenn sie wider Erwarten doch mal normales Deutsch gesprochen hatten.

Das Programm ist zu einer Art Hindernis-Parcours geworden – leider nicht nur für die Sprecher.

Es verwundert daher nicht, daß es da auch andernorts in der Sprachlandschaft zu mehr Ungenauigkeiten kommt. Und man fragt sich einmal mehr, warum erwachsene Menschen sich solch einen Sprachmasochismus freiwillig antun. Es handelt sich doch nur um „Empfehlungen“. Warum hat kaum ein Redakteur die Eier und verzichtet auf diese Gender-Scheiße, Pardon, Seuche?

Auf Faz.net ist zu lesen:

„In allen Weltregionen sind neue Namen hinzugekommen. Ihre Unterdrückungsmethoden sind verschieden, dienen aber demselben Zweck: kritische Berichterstattung um jeden Preis zu verhindern“, sagte „Reporter“-Geschäftsführer Christian Mihr. „Darunter leiden die Journalistinnen und Journalisten, die trotzdem mutig weiter recherchieren […]

Wieso wurde der Verein eigentlich noch nicht in „Reporterinnen und Reporter ohne Grenzen“ umbenannt? Vielleicht ist die „Geschlech-tergerechtigkeit“ unserer Sprache ja immer nur genau dann ein Problem, wenn man mal wieder sein Gewissen aufmöbeln will.

Ich persönlich habe gar nichts gegen Reporter ohne Grenzen. Nur würde man solche Vereine viel ernster nehmen können, wenn sie ein normales Deutsch sprächen und sich nicht zum Honk machen würden. Die meisten Gutmenschenvereine begreifen nicht, daß sie ihrer Sache einen Bärinnendienst erweisen.

Den Ausdruck „Feindinnen und Feinde der Pressefreiheit“ haben wir sehr wahrscheinlich diesem Verein zu verdanken. Und die DPA hat dann noch ein bißchen am Kasus herumgefummelt. Fertig ist der alberne Gender-Brei.

Aber gibt es überhaupt Feindinnen der Pressefreiheit? Staatschefs sind für gewöhnlich männlichen Geschlechts. Wieviel Frauen finden sich auf der Liste der 37 Pressefeinde? In der Nachrichtenmeldung wurden nur drei Männer genannt:

Neben Orban stehen auch der brasilianische Präsident Bolsonaro und der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman auf der Liste, dem unter anderem wegen des Mordes an dem saudischen Journalisten Khashoggi Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen werden.

Was wenn nur eine Frau auf der Liste steht? Oder gar keine? Dann wäre der Ausdruck „Feindinnen und Feinde“ zumindest ungenau. In der Pressemitteilung von Reporter ohne Grenzen kommt immerhin eine Frau vor:

Auch die Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam steht neu auf der Liste. In der chinesischen Sonderverwaltungszone musste mit der Zeitung Apple Daily im Juni ein Symbol der Pressefreiheit ihren Betrieb einstellen. Daneben finden sich auf der Liste viele langjährige „Feinde der Pressefreiheit“. Zu ihnen gehören etwa Eritreas Präsident Isaias Afewerki, Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping, Syriens Machthaber Baschar al-Assad und der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko.

Tja, sieht schlecht aus. Nur eine Pressefeindin. Wir haben aber Glück. In Bangladesch findet sich noch eine zweite Feindin der Pressefreiheit. Der Frauenanteil unter den Pressefeinden liegt also bei ca. 6%. Na, wenn das mal kein Ergebnis patriarchaler Unterdrückung ist.
Ich plädiere hiermit für eine Frauenquote von 25%. Wobei die Aufnahmekriterien bei Frauen ruhig etwas abgesenkt werden können.

In anderen Bereichen haben wir weniger Glück mit der Gendersprache. Da wird z.B. von „Innenminister*innen“ (der Bundesländer) gesprochen oder geschrieben, obwohl nur ein weibliches Exemplar vorhanden ist. Immerhin zeigt das Studium der Pressemitteilung, daß tatsächlich die DPA schuld ist an dem peinlichen Kasus-Stuß, der in allen möglichen Redaktionen reproduziert wurde. Man lese mal dieses wunderschöne genderdurchseuchte Intro von der Internetseite von Reporter ohne Grenzen:

Feinde der Pressefreiheit

Unter ihrer Herrschaft werden Medienschaffende ermordet und willkürlich inhaftiert, sie drohen und verunglimpfen Journalistinnen und Journalisten, zensieren Medien oder lassen sogar ein Flugzeug entführen, um Kritikerinnen und Kritiker mundtot zu machen: Reporter ohne Grenzen hat heute eine neue Liste mit den weltweit größten „Feindinnen und Feinden der Pressefreiheit“ veröffentlicht. Sie umfasst 37 Staats- und Regierungsoberhäupter, die in besonders drastischer Weise die rücksichtslose Unterdrückung der Pressefreiheit verkörpern.

Leute, die solche Texte formulieren, kann man nur als geisteskrank bezeichnen. Ich bin für eine Einschränkung der Pressefreiheit. Gender-Diktion sollte künftig als sprachlicher Terror eingestuft werden, der die innere Sicherheit gefährdet und den Sinn für Ästhetik zerstört. Wer dabei erwischt wird, muß mindestens zehn Doktorarbeiten aus dem Bereich Gender Studies lesen.

Das dürfte abschreckend genug wirken.

Wie oben ersichtlich, kommt die Sache mit dem Kasus-Stuß offenbar daher, daß zunächst im Dativ von den weltweit größten „Feindinnen und Feinden der Pressefreiheit“ die Rede ist. Irgendein Praktikant bei der DPA muß sich dann wohl Annalena Baerbock zum Vorbild genommen haben und hat dann dummerweise übersehen, daß das Ganze nun im Genitiv steht:

Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ hat den ungarischen Ministerpräsidenten Orban auf die Liste der weltweit größten Feindinnen und Feinden der Pressefreiheit gesetzt.

Aus der „Liste mit den“ wurde die „Liste der“. Tja, da muß man kasusmäßig umdisponieren. Den Feindinnen macht der Genitiv nichts aus. Den Feinden schon.

Ich behaupte mal frech, daß das Ganze ohne die penetrante Gender-Scheiße nicht passiert wäre. Ohne die „Feindinnen“ wäre der Kasusfehler sehr wahrscheinlich leichter ins Auge gefallen.

Früher hatte man einfach mehr Zeit, sich um wichtigere Dinge zu kümmern. Und wurde nicht ständig von einer redundanten Moralsprache verwirrt. Die Genderprache ist nicht nur Teil des sprachlichen Verfalls – sie befördert ihn auch noch zusätzlich.

Sie ist eine völlig unnötige Ressourcenverschwendung. Eine äs-thetische Umweltverschmutzung.

Warum linke Parteien so etwas fördern, ist mir ein Rätsel. Wo bleibt die Verzichtsethik, wenn man sie mal braucht?

Ich will gar nicht wissen, wieviel Tinte und Papier gespart werden könnten mit einem umweltgerechten Deutsch.

Die kulturelle Unbehaustheit der Monika Grütters

Kürzlich ergatterte ich mal eine mittelalte Ausgabe des „Focus“ vom Ende des letzten Jahres. Darin ein Artikel über das neue Berliner Stadtschloß und ein Interview mit unserer obersten Kultur-gouvernante Monika Grütters, ihres Zeichens CDU-Mitglied und kurzzeitig auch Chefin des Berliner Landesverbandes.

Wie weit die deutschen Konservativen schon degeneriert sind, kann man wohl folgender Passage entnehmen, in der Grütters kräftig gendert und der die Frage vorausging, was am Humboldt-Forum denn so anders sein werde im Vergleich zu anderen ethnologischen Museen:

Viele dieser Museen in Deutschland und auch anderswo erzählen eher aus der eigenen und damit vor allem aus der europäischen Perspektive. Im Humboldt Forum wurden dagegen viele Präsentationen im engen Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern der Herkunftsgesellschaften erarbeitet.

Darüber hinaus werden wir es dem Humboldt Forum ermög-lichen, ein nachhaltiges Residenz-Programm für Kuratorinnen und Kuratoren aus diesen Ländern zu etablieren.

Würde man nicht wissen, daß Monika Grütters hinter diesen Zeilen steht, könnte man auch einen linksparteilichen Kultursenator als Urheber vermuten – oder eine grüne Diversity-Beauftragte. Dieses zwanghafte Gender-Deutsch hört man jedenfalls fast ausschließlich aus den Mündern von Vertretern des linken Spektrums – von der allgegenwärtigen Phrase „Bürgerinnen und Bürger“ mal abgesehen.

Unseren Politikern fällt die Künstlichkeit dieser sprachlichen Ver-renkungen ja gar nicht mehr auf. Gleichzeitig beklagen sie Politikverdrossenheit und „Rechtspopulismus“.
Sie sind auch verblödet und verblendet genug, um nicht mehr zur Seite treten zu können, mal kurz innezuhalten und sich zu fragen, warum sie dieses geschwollene Kunstdeutsch nicht auch im Privaten praktizieren.

Diese und andere nur zu offensichtliche Widersprüche sind ihnen und all den anderen Gender-Propheten schlicht egal. Zweifel sind konterrevolutionär und stören nur den Endsieg des Guten.

Soziologen sollten sich mal zur Abwechslung nicht mit der „Konstruktion von Geschlecht“ befassen, sondern mit der Kon-struktion von „Geschlechtergerechtigkeit“. Nur ein kleiner Tip von mir für mehr akademische Diversity.

Eigentlich wären Konservative ja dazu da, um ein Korrektiv zu bilden gegenüber linken Spinnereien. Aber diese Korrektiv-Funktion hat die CDU offenbar an die AfD outgesourct – die wiederum im Geiste der Planübererfüllung ans Werk geht.

 

In der Menü-Rubrik „Panorama“, die bis vor kurzem noch „Chronik“ hieß, sammle ich die eine oder andere Merkwürdigkeit, die einem so ins Auge fällt, wenn man unsere Medien im Hinblick auf Gender-Gedöns studiert. Dort werde ich auch die obigen Einlassungen von Monika Grütters endlagern.

Die ganz normale Gendersprache hat ja sowieso schon einen ziemlichen Nervfaktor. Aber hin und wieder zeigt sich die Absurdität dieses Gutmenschen-Idioms etwas deutlicher und drastischer. Und diese Momente möchte ich in der Rubrik Panorama festhalten, die ich immer mal wieder neu befülle.

Es wird auch noch die eine oder andere weitere Kategorie hin-zukommen. Die echten Gaga-Momente werden natürlich auch noch ihren wohlverdienten Platz erhalten. Es bleibt ja nicht bei Nervigkeiten wie bei unserer Kulturpflegekraft Grütters. Manchmal wird es auch richtig gaga.

Ganz auszuschließen ist es ja nicht, daß wir es bei dem Gegendere in Wirklichkeit mit einer dadaistischen Kunstform zu tun haben, die uns dafür sensibilisieren will, wie schön unsere Sprache eigentlich sein könnte, wenn sie nicht durch Ideologien deformiert wird. Alles eine riesige Kunstperformance von Marina Abramovic, die den sprach-lichen Masochismus feiert und zur neuen Lebensform erklärt.

Schön wär‘s.

Vielleicht sollte mal irgendein Künstler mit Eiern einfach ein großes Stück weißes Papier mit allen möglichen Gender-Abarten und Unarten vollkritzeln und das dann als moderne Kunst lobpreisen. Titelvorschlag: „Ich gendere, also bin ich.“

Wo ist eigentlich Joseph Beuys, wenn man ihn mal braucht?

Zur Not tut es auch Marcel Duchamp.

Wäre ich Künstler, würde ich einfach einen zwei Meter großen Gender-Stern auf die Leinwand malen oder abdrucken und das Kunstwerk dann „Le genderstar“ taufen. Aufmerksamkeit und Publicity wären mir gewiß. Kunststudenten würden Doktorarbeiten über meine geniale Kunst schreiben. Feministinnen und Gleich-stellungsbeauftragte würden mich entweder feiern oder wegen Blasphemie kastrieren.

Oder wie wäre es mit einem ähnlich großen Schriftzug aus dem Wort „Führer*innen“? Wobei der Gender-Stern dann natürlich durch ein drolliges Hakenkreuz ersetzt wird. Das Kunstwerk bekommt dann den Titel „Wenn Nazis gendern“.

Ich sehe schon eine große Zukunft als Künstler vor mir. Hoffentlich kriegt Anselm Kiefer keinen Wind von diesem Artikel.

Na ja. An dieser Stelle kann man ja ruhig mal sagen, daß heutige Künstler einfach keine Eier mehr haben, ein Dasein als gleich-geschaltete Gutmenschen fristen und völlig unfähig sind, auch mal Gesellschaftskritik zu üben, die nicht vulgärorthodoxgeschmeidig links ist.

Aber zu guter Letzt noch mal zurück zu Monika Grütters und ihrer Kunstsprache. Vor nunmehr knapp drei Jahren, als Monika noch Berliner CDU-Chefin war, bezeichnete unsere Reichskultur-verweserin einmal – mit Blick auf proletarisierte, gottlose Ossis aus Marzahn – Ungläubige als „kulturell Unbehauste“.

Ich bezeichne hiermit Monika Grütters ebenfalls als kulturell un-behaust.

Denn künstliches Gender-Deutsch gehört ganz gewiß nicht zu unserer vielgerühmten teutonischen Kultur.