„Die Liste der weltweit größten Feindinnen und Feinden der Pressefreiheit“

Unsere Medienhäuser werden immer bekloppter. Als ich heute den Deutschlandfunk hörte, dachte ich noch an einen dummen Versprecher, pardon, eine dumme Versprecherin der Nachrichten-tante, als sie von einer „Liste der weltweit größten Feindinnen und Feinden der Pressefreiheit“ sprach.

Nicht wegen der schlimmen Feindinnen, die nun gendergerecht die Pressefreiheit bedrohen, sondern weil die Nachrichtensprecher offenbar nicht mal mehr den richtigen Fall setzen können.
Daraufhin gab ich „deutschlandfunk feindinnen und feinde der pressefreiheit“ in die Suchmaschine ein und wurde eines besseren belehrt.

Es war kein Versprecher, keine Versprecherin. Es steht genauso im Text, den die Nachrichtenfrau vorlas. Und nicht nur dort:

Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ hat den ungarischen Ministerpräsidenten Orban auf die Liste der weltweit größten Feindinnen und Feinden der Pressefreiheit gesetzt.

Auch auf Twitter schreibt der Deutschlandfunk:

Von einer Nachrichtensprecherin kann man doch zumindest erwarten, daß sie so einen Unsinn nicht blind abliest. Da kann man auch gleich an die Künstliche Intelligenz übergeben.

Auch bei Faz.net findet sich der Fehler:

Die Liste der „Feindinnen und Feinden der Pressefreiheit“ umfasst 37 Staatsoberhäupter und Regierungschefs, die in besonders drastischer Weise die rücksichtslose Unterdrückung der Pressefreiheit verkörpern.

Selbst in einen zweiten Text auf Faz.net zum selben Thema hat sich der Fehler eingeschlichen. Und man bekommt unwillkürlich den Eindruck, daß da etwas nicht stimmen kann im Journalistenmilieu:

Als erster EU-Regierungschef : Orbán auf Liste „Feinde der Pressefreiheit“

Mit Viktor Orbán steht zum ersten Mal ein EU-Regierungschef auf der Liste der „Feindinnen und Feinden der Pressefreiheit“ der Organisation Reporter ohne Grenzen.

„Welt Online“ fabuliert:

Mit Viktor Orban steht zum ersten Mal ein EU-Regierungschef auf der Liste der „Feindinnen und Feinden der Pressefreiheit“ der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF).

Und bringt das Kunststück fertig, kurz zuvor in der Überschrift, den Kasus richtig zu setzen:

Orban steht auf der Liste der „Feindinnen und Feinde der Pressefreiheit“

Der Text auf Faz.net ist ausführlicher, gibt aber als Quelle die DPA an, womit vermutlich auch ein Schuldiger gefunden ist. Trotzdem ist es ein ziemliches Armutszeugnis, so einen Kasus-Stuß einfach so abzutippen.

 

Mir persönlich ist ein allgemeiner Trend aufgefallen. Das Sprach-niveau im Deutschlandfunk und auch in den Printmedien sinkt immer mehr, und es kommt zu immer obskureren sprachlichen Ungenauigkeiten. Mal hapert es beim Numerus, mal beim Kasus, mal beim Genus, oder es passieren andere Laxheiten.

Und das ist, wie ich meine, wohl zu einem nicht unwesentlichen Teil auch auf die Gender-Seuche zurückzuführen. Das zwanghafte Gendern bindet einen erheblichen Teil der Aufmerksamkeit und Konzentration. Man spürt regelrecht, wie die Moderatoren sich selbst kontrollieren und gegebenenfalls einschreiten. Manchmal reichen sie dann die weibliche Form pflichtbewußt nach, wenn sie wider Erwarten doch mal normales Deutsch gesprochen hatten.

Das Programm ist zu einer Art Hindernis-Parcours geworden – leider nicht nur für die Sprecher.

Es verwundert daher nicht, daß es da auch andernorts in der Sprachlandschaft zu mehr Ungenauigkeiten kommt. Und man fragt sich einmal mehr, warum erwachsene Menschen sich solch einen Sprachmasochismus freiwillig antun. Es handelt sich doch nur um „Empfehlungen“. Warum hat kaum ein Redakteur die Eier und verzichtet auf diese Gender-Scheiße, pardon, Seuche?

Auf Faz.net ist zu lesen:

„In allen Weltregionen sind neue Namen hinzugekommen. Ihre Unterdrückungsmethoden sind verschieden, dienen aber demselben Zweck: kritische Berichterstattung um jeden Preis zu verhindern“, sagte „Reporter“-Geschäftsführer Christian Mihr. „Darunter leiden die Journalistinnen und Journalisten, die trotzdem mutig weiter recherchieren […]

Wieso wurde der Verein eigentlich noch nicht in „Reporterinnen und Reporter ohne Grenzen“ umbenannt? Vielleicht ist die „Geschlech-tergerechtigkeit“ unserer Sprache ja immer nur genau dann ein Problem, wenn man mal wieder sein Gewissen aufmöbeln will.

Ich persönlich habe gar nichts gegen Reporter ohne Grenzen. Nur würde man solche Vereine viel ernster nehmen können, wenn sie ein normales Deutsch sprächen und sich nicht zum Honk machen würden. Die meisten Gutmenschenvereine begreifen nicht, daß sie ihrer Sache einen Bärinnendienst erweisen.

Den Ausdruck „Feindinnen und Feinde der Pressefreiheit“ haben wir sehr wahrscheinlich diesem Verein zu verdanken. Und die DPA hat dann noch ein bißchen am Kasus herumgefummelt. Fertig ist der alberne Gender-Brei.

Aber gibt es überhaupt Feindinnen der Pressefreiheit? Staatschefs sind für gewöhnlich männlichen Geschlechts. Wieviel Frauen finden sich auf der Liste der 37 Pressefeinde? In der Nachrichtenmeldung wurden nur drei Männer genannt:

Neben Orban stehen auch der brasilianische Präsident Bolsonaro und der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman auf der Liste, dem unter anderem wegen des Mordes an dem saudischen Journalisten Khashoggi Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen werden.

Was wenn nur eine Frau auf der Liste steht? Oder gar keine? Dann wäre der Ausdruck „Feindinnen und Feinde“ zumindest ungenau. In der Pressemitteilung von Reporter ohne Grenzen kommt immerhin eine Frau vor:

Auch die Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam steht neu auf der Liste. In der chinesischen Sonderverwaltungszone musste mit der Zeitung Apple Daily im Juni ein Symbol der Pressefreiheit ihren Betrieb einstellen. Daneben finden sich auf der Liste viele langjährige „Feinde der Pressefreiheit“. Zu ihnen gehören etwa Eritreas Präsident Isaias Afewerki, Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping, Syriens Machthaber Baschar al-Assad und der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko.

Tja, sieht schlecht aus. Nur eine Pressefeindin. Wir haben aber Glück. In Bangladesh findet sich noch eine zweite Feindin der Pressefreiheit. Der Frauenanteil unter den Pressefeinden liegt also bei ca. 6%. Na, wenn das mal kein Ergebnis patriarchaler Unterdrückung ist.
Ich plädiere hiermit für eine Frauenquote von 25%. Wobei die Aufnahmekriterien bei Frauen ruhig etwas abgesenkt werden können.

In anderen Bereichen haben wir weniger Glück mit der Gendersprache. Da wird z.B. von „Innenminister*innen“ (der Bundesländer) gesprochen oder geschrieben, obwohl nur ein weibliches Exemplar vorhanden ist. Immerhin zeigt das Studium der Pressemitteilung, daß tatsächlich die DPA schuld ist an dem peinlichen Kasus-Stuß, der in allen möglichen Redaktionen reproduziert wurde. Man lese mal dieses wunderschöne genderdurchseuchte Intro von der Internetseite von Reporter ohne Grenzen:

Feinde der Pressefreiheit

Unter ihrer Herrschaft werden Medienschaffende ermordet und willkürlich inhaftiert, sie drohen und verunglimpfen Journalistinnen und Journalisten, zensieren Medien oder lassen sogar ein Flugzeug entführen, um Kritikerinnen und Kritiker mundtot zu machen: Reporter ohne Grenzen hat heute eine neue Liste mit den weltweit größten „Feindinnen und Feinden der Pressefreiheit“ veröffentlicht. Sie umfasst 37 Staats- und Regierungsoberhäupter, die in besonders drastischer Weise die rücksichtslose Unterdrückung der Pressefreiheit verkörpern.

Leute, die solche Texte formulieren, kann man nur als geisteskrank bezeichnen. Ich bin für eine Einschränkung der Pressefreiheit. Gender-Diktion sollte künftig als sprachlicher Terror eingestuft werden, der die innere Sicherheit gefährdet und den Sinn für Ästhetik zerstört. Wer dabei erwischt wird, muß mindestens zehn Doktorarbeiten aus dem Bereich Gender Studies lesen.

Das dürfte abschreckend genug wirken.

Wie oben ersichtlich, kommt die Sache mit dem Kasus-Stuß offenbar daher, daß zunächst im Dativ von den weltweit größten „Feindinnen und Feinden der Pressefreiheit“ die Rede ist. Irgendein Praktikant bei der DPA muß sich dann wohl Annalena Baerbock zum Vorbild genommen haben und hat dann dummerweise übersehen, daß das Ganze nun im Genitiv steht:

Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ hat den ungarischen Ministerpräsidenten Orban auf die Liste der weltweit größten Feindinnen und Feinden der Pressefreiheit gesetzt.

Aus der „Liste mit den“ wurde die „Liste der“. Tja, da muß man kasusmäßig umdisponieren. Den Feindinnen macht der Genitiv nichts aus. Den Feinden schon.

Ich behaupte mal frech, daß das Ganze ohne die penetrante Gender-Scheiße nicht passiert wäre. Ohne die „Feindinnen“ wäre der Kasusfehler sehr wahrscheinlich leichter ins Auge gefallen.

Früher hatte man einfach mehr Zeit, sich um wichtigere Dinge zu kümmern. Und wurde nicht ständig von einer redundanten Moralsprache verwirrt. Die Genderprache ist nicht nur Teil des sprachlichen Verfalls – sie befördert ihn auch noch zusätzlich.

Sie ist eine völlig unnötige Ressourcenverschwendung. Eine ästhetische Umweltverschmutzung.

Warum linke Parteien so etwas fördern, ist mir ein Rätsel. Wo bleibt die Verzichtsethik, wenn man sie mal braucht?

Ich will gar nicht wissen, wieviel Tinte und Papier gespart werden könnten mit einem umweltgerechten Deutsch.

Nicht ganz geschlechtergerechte Sprache auf „Spiegel Online“

Schockiert las ich jüngst auf „Spiegel Online“, wie eine Autorin in einem Artikel über Lebenskrisen und Resilienz das generische Maskulinum verwendete und damit unzählige Frauen diskriminierte.

Zunächst schreibt Redakteurin Elisabeth Schönert brav von „jedem und jeder“, die es treffen könne. Wunderbar! Auch ich als Mann fühle mich hier verbal angesprochen und sprachlich respektiert. So soll es sein.

spiegel online geschlechtergerecht gendersprache

Dann aber dieser Fauxpas:

Auf dem Gipfel des Erfolgs reißt es einen hinunter in eine tiefe Krise.

Das hat mich schon schockiert, daß „Spiegel Online“ hier so fahrlässig mit unserer Sprache umgeht. Wie sollen sich Frauen von einem Satz repräsentiert fühlen, in dem nur von einem die Rede ist, nicht aber von einer?

„Spiegel Online“ ist noch weit entfernt von einem gendersensiblen Sprachbewußtsein. Männliche Formen verstecken sich auch in den hintersten Ecken unserer schönen, aber leider korrekturbedürftigen deutschen Sprache. Man denke nur an diskriminierende Wörter wie „Arztpraxis“ oder „Freundschaft“. Es wird Zeit, daß Angela Merkel einen großen, überparteilichen Gender-Gipfel einberuft, um aus der Männersprache Deutsch endlich eine gerechte Sprache zu machen. Dieses Thema darf sie nicht den Sozialdemokraten überlassen.

Aber Spaß beiseite: Eine der dümmsten Formulierungen des Genderwahns ist wohl „jeder und jede“ – als „geschlechtergerechter“ Ersatz für „jeder“. Wie verpeilt muß man sein, um so etwas schreiben oder sagen zu können? Wie ideologisiert muß man sein, wenn man sich als Frau vom Satz „Es kann jeden treffen.“ nicht repräsentiert fühlt?

Gerade an solchen Konstruktionen wie „jeder und jede“ zeigt sich die Redundanz der Gendersprache. Denn beim Wort „jeder“ assoziieren wir noch viel weniger nur oder überwiegend Männer als z.B. beim Wort „Bürger“. Das Wort „jeder“ ist von der Assoziation her so geschlechtsneutral, wie es nur irgend sein kann. Gerade weil es im Gegensatz zu „Bürger“, „Lehrer“ oder „Patient“ eben nie in einem konkret männlichen Sinne gebraucht wird.

Auch an solchen Momenten erkennt man, was für ein paranoides Wahngebilde diese sogenannte geschlechtergerechte Sprache ist.

Feministische Sprachwissenschaftler versuchen ja beständig, mit gekünstelten Experimenten und realitätsfernen Beispielsätzen, die tatsächlich zu stärkeren männlichen Assoziationen führen, unsere Alltagssprache als „sexistisch“ zu denunzieren. Dumm nur, daß viele dieser konstruierten Sprachsituationen selten bis nie im Alltag stattfinden.

Davon abgesehen geht es niemanden etwas an, was wir in unserem Alltag oder sonstwo assoziieren. Jeder hat das Recht, sich so viele alte, weiße Männer vorzustellen, wie er möchte. Zudem assoziieren wir im Sprachalltag eben gerade nicht ständig bewußt drauf los und stellen uns neurotische Fragen zur „Geschlechterrepräsentanz“. Vielmehr sind wir dem generischen Maskulinum schlicht und einfach dankbar dafür, daß es das Sprechen so einfach macht.

Es ist schon merkwürdig, daß die Gendersprache nicht als feministische Neurose von Frauen mit Minderwertigkeitskomplexen erkannt und auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgt wird.

Die Experimente der Gender-Linguisten sind also eben gerade nicht auf die Alltagssprache übertragbar. Das sind zwei völlig verschiedene Welten. Wie zwanghaft und orwellesk sind diese „Wissenschaftler“ drauf, daß sie überhaupt auf die Idee kommen, derartig plump unsere Alltagssprache zu denunzieren und verändern zu wollen?

Vielleicht liegt es ja daran, daß diese Leute keine Linguistik betreiben, sondern „feministische Linguistik“. Sie selbst nennen das so. Echte Wissenschaftler würden nämlich anerkennen, daß unsere Sprache schlicht und einfach funktioniert – statt sich krude Experimente auszudenken, deren Ergebnisse in jedem Fall irrelevant sind.

Echte Wissenschaftler hätten auch so viel Grips, sich zu fragen, warum sich unsere Sprachpraxis nicht die Bohne für die Ergebnisse feministischer Sprachexperimente interessiert. Nur feministische Linguistinnen schaffen es ja offenbar, daran zu glauben, daß Menschen ohne Abitur auch nur einen Deut von ihrer Diktion abwichen, weil man an der Uni angeblich „bewiesen“ habe, daß das generische Maskulinum zu weniger „gedanklicher Repräsentation von Frauen“ führe.

Immerhin zeigen diese Pseudowissenschaftler mit diesem Gebaren, daß sie in einer realitätsfernen Blase leben, sich maßlos selbst überheben und besser in einer Diktatur oder Sekte aufgehoben wären. Sollen diese Leute ihren Studenten doch mal einen Satz wie diesen hier vorlegen:

Jeder ist herzlich eingeladen.

Die Assoziationen wären mal interessant. Aber eben auch letztlich egal.

Weil Forschung eben nicht dazu da ist, Sprachinquisition zu betreiben und Geld zu verplempern für solch lächerliche Studien, die letztlich nur dazu dienen, feministische Ideologie zu stützen. Kein normaler Mensch käme auf die Idee, unsere Sprache, die sich tagtäglich bewährt, für illegitim zu erklären und sich zu einem linguistischen Dr. Frankenstein aufzuspielen.

Die Gender-Esoteriker meinen ja, mit ihren weltfremden Spielereien eine „gerechte Sprache“ zu erschaffen, die aber doch nie lebensfähig sein wird. Frankensteins Monster hat Geschwister im Reich der Sprache bekommen: Sie heißen Gender-Sternchen, Professx, Studierx, Binnen-I und Gender-Gap.

Die Gender-Alchimisten versuchen ihrer Kunstsprache genauso Leben einzuhauchen wie Dr. Frankenstein seiner Kunstkreatur.

Und man muß sich an dieser Stelle immer wieder fragen: Glauben diese Spinner wirklich, daß ihre monströsen Schöpfungen je auch nur den Hauch einer Überlebenschance hätten? Der Gender-Schwachsinn dieser Leute zeugt schon von einem enormen, weltfremden Narzißmus. Man wundert sich, was die Universität für ein Ort ist, wenn solche Sektierer dort ihren Unsinn verbreiten dürfen.

Zu der absurden Redundanz der Gendersprache, wie sie sich bei „jeder und jede“ zeigt, gesellen sich noch zwei andere Aspekte: Inkonsequenz und Inkompetenz.

Denn häufig betreiben Journalisten und öffentliche Personen zwar brav ihren feministischen Ablaßhandel, indem sie die Gendersprache anwenden, dies aber nur sehr halbherzig und inkompetent tun.

Der oben zitierte Satz müßte also – wenn die Postulate der geschlechtergerechten Sprache wirklich ernst gemeint sind – wie folgt lauten:

Auf dem Gipfel des Erfolgs reißt es einen oder eine hinunter in eine tiefe Krise.

So gendergerecht will man es dann aber auch wieder nicht. Man will sich ja nicht lächerlich machen. Wobei Feministinnen durchaus solche Sätze fabrizieren. Denen ist nichts peinlich.

Wenn man also bei „Spiegel Online“ in Hamburg wirklich das Sturmgeschütz der „Geschlechtergerechtigkeit“ sein will, dann muß man schon etwas mehr bieten in Sachen Konsequenz und Kompetenz bei der Anwendung des Gender-Unsinns.

Davon abgesehen fragt man sich besorgt, was mit all den „anderen Geschlechtern“ ist, die sich nicht durch „jeder und jede“ oder „einen und eine“ repräsentiert fühlen mögen.
Wenn es diese „Geschlechter“ wirklich gibt – und Gender-Forscher glauben fest daran -, dann muß ein modernes Medium wie „Spiegel Online“ sie doch auch repräsentieren.
Was sagt die Gleichstellungsbeauftragte im Verlag dazu? Ein „Leitfaden“, eine „Empfehlung“ muß her. Mindestens aber ein öffentliches Bekenntnis zu „inklusiver Sprache“ und mehr „Gendergerechtigkeit“.

Ich persönlich glaube, die Archäologen und Historiker der Zukunft werden mal so auf den Gender-Quatsch schauen wie wir heute auf Hexenwahn, Voodoo-Kult und Alchimie.

„Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer“

Heute hörte ich in den Nachrichten vom Deutschlandfunk, daß es eine Debatte darum gebe, inwieweit LKW-Fahrer schuld seien am Verkehrschaos auf der A2. Schließlich waren viele von ihnen angesichts der winterlichen Wetterlage illegal auf der Autobahn unterwegs.

In der Meldung war dann tatsächlich von „LKW-Fahrerinnen und – Fahrern“ die Rede. Das nennt man wohl „geschlechtergerecht“.

Aber ist es auch realitätsgerecht – mal abgesehen von der nervtötenden Redundanz dieser Kunstformulierung?

Sicherlich gibt es irgendwo auf diesem Planeten auch LKW-Fahrerinnen. Die heißen dann Trucker Babes oder so. Ich selber habe aber noch nie so ein Babe gesehen.

Man ist ja vom Deutschlandfunk mittlerweile einiges gewohnt. Die ganze Palette „geschlechgtergerechter“ Phantasieformen ist dort zu hören – von den „Mitarbeitenden“ oder den „Forschenden“ über die „Künstler:innen“ bis zu den „Ärztinnen und Ärzten“. Auch die altbekannten feministischen Narrative und Lügen sind im Programm omnipräsent.

Die Redaktion dort dürfte sich ziemlich progressiv, frauenfreundlich und am Puls der Zeit fühlen. Aber muß das Streben nach sprachlicher „Gleichstellung“ wirklich so weit gehen, daß man in einer kurzen Nachrichtenmeldung von „LKW-Fahrerinnen und -Fahrern“ spricht?

Man stelle sich mal vor, wie so eine Meldung in den Siebzigerjahren aufgenommen worden wäre. Wahrscheinlich hätten die Hörer das als Gag verstanden und irgendeinen Komiker dahinter vermutet.

Interessanterweise sah die Meldung im Nachrichtenüberblick auf der Webseite so aus:

lkw-fahrerinnen-deutschlandfunk-gendersprache

Ich dachte immer, das generische Maskulinum grenzt Frauen aus, macht sie unsichtbar.

Im Volltext dieser Nachricht ist dann dies zu lesen:

Das Verkehrschaos auf der Autobahn 2 ist offenbar maßgeblich durch Lkw-Fahrerinnen und -fahrer verursacht worden.

Wer weiß das schon so genau? Kann der Deutschlandfunk garantieren, daß auch heiße Trucker Babes unter den Regelbrechern auf der A2 waren? Zumal Frauen doch auch die besseren Menschen und weniger delinquent sind?

Man kommt wirklich in Teufels Küche mit dieser Gendersprache.

Weiter unten steht dann dies:

Der Bundesverband Güterverkehr teilte indes mit, Schuld seien vielfach Kommunikationsprobleme gewesen. Ukrainische, belarussische, kasachische Fahrer könnten Schilder in lateinischer Schrift teilweise nicht lesen, geschweige denn deutsche Verkehrsdurchsagen verstehen, erklärte ein Sprecher. Kein Fahrer fahre freiwillig in einen nächtlichen Dauerstau.

Hier sind also wieder zwei ziemlich geschlechterungerechte generische Maskulina zu lesen. Da könnte sich das eine oder andere Trucker Babe diskriminiert fühlen. Andererseits sind LKW-Fahrerinnen eher selten Akademiker und dürften daher wohl kaum an intellektuellen Neurosen wie der „geschlechtergerechten Sprache“ leiden.

Gehört es wirklich zum Sendeauftrag des Deutschlandfunks, uns Hörer darüber zu informieren, daß möglicherweise auch ein paar LKW-Fahrerinnen unter den Regelbrechern waren?

Der eigentliche Informationswert dieser Meldung besteht ja nicht darin, daß Männer und eventuell auch Frauen in den LKWs saßen, sondern daß diese LKWs illegal auf der Autobahn fuhren und eventuell Chaos verursacht haben. Ob da nun Männer oder Frauen drin waren, interessiert eigentlich nicht im geringsten.

Es muß uns ja auch niemand erklären, daß die Bürger eines Landes oder die Schüler einer Schule auch aus Menschen weiblichen Geschlechts bestehen. Das ist eine irrelevante und redundante Information, die der ungebildete und geschlechterungerechte Pöbel deshalb einfach wegläßt.

Er hat einfach nicht die geistigen Fähigkeiten und den moralischen Narzißmus, um sich besonders komplizierte und überflüssige Formulierungen auszudenken, wie das nur Akademiker vermögen. Nur Akademiker verfügen auch über genug Größenwahn, sie hätten die Autorität, unsere Sprache zu „verbessern“, „gerechter“ zu machen und die Diktion ihrer Mitmenschen für überholt und „sexistisch“ zu erklären.

Nun ja. Immerhin beglückt uns der Deutschlandfunk mit dem sehr kulturgerechten „belarussisch“. Das macht einiges wett. Schließlich wollen wir unsere Freunde aus „Belarus“ nicht mit dem schlimmen Wort „weißrussisch“ diskriminieren. Es gibt viel zu tun, um unsere Sprache gerechter zu machen.

Ach wäre der Deutschlandfunk doch ebenso konsequent mit der Ausmerzung des generischen Maskulinums wie mit der Ausmerzung der schlimmen Begriffe „Weißrußland“ und „weißrussisch“.

Nichtsdestotrotz, der Deutschlandfunk ist auf einem guten Weg, unsere Sprache gerechter und sensibler zu machen. Die Redaktion darf sich gut und progressiv fühlen.