Nicht ganz geschlechtergerechte Sprache auf „Spiegel Online“

Schockiert las ich jüngst auf „Spiegel Online“, wie eine Autorin in einem Artikel über Lebenskrisen und Resilienz das generische Maskulinum verwendete und damit unzählige Frauen diskriminierte.

Zunächst schreibt Redakteurin Elisabeth Schönert brav von „jedem und jeder“, die es treffen könne. Wunderbar! Auch ich als Mann fühle mich hier verbal angesprochen und sprachlich respektiert. So soll es sein.

spiegel online geschlechtergerecht gendersprache

Dann aber dieser Fauxpas:

Auf dem Gipfel des Erfolgs reißt es einen hinunter in eine tiefe Krise.

Das hat mich schon schockiert, daß „Spiegel Online“ hier so fahrlässig mit unserer Sprache umgeht. Wie sollen sich Frauen von einem Satz repräsentiert fühlen, in dem nur von einem die Rede ist, nicht aber von einer?

„Spiegel Online“ ist noch weit entfernt von einem gendersensiblen Sprachbewußtsein. Männliche Formen verstecken sich auch in den hintersten Ecken unserer schönen, aber leider korrekturbedürftigen deutschen Sprache. Man denke nur an diskriminierende Wörter wie „Arztpraxis“ oder „Freundschaft“. Es wird Zeit, daß Angela Merkel einen großen, überparteilichen Gender-Gipfel einberuft, um aus der Männersprache Deutsch endlich eine gerechte Sprache zu machen. Dieses Thema darf sie nicht den Sozialdemokraten überlassen.

Aber Spaß beiseite: Eine der dümmsten Formulierungen des Genderwahns ist wohl „jeder und jede“ – als „geschlechtergerechter“ Ersatz für „jeder“. Wie verpeilt muß man sein, um so etwas schreiben oder sagen zu können? Wie ideologisiert muß man sein, wenn man sich als Frau vom Satz „Es kann jeden treffen.“ nicht repräsentiert fühlt?

Gerade an solchen Konstruktionen wie „jeder und jede“ zeigt sich die Redundanz der Gendersprache. Denn beim Wort „jeder“ assoziieren wir noch viel weniger nur oder überwiegend Männer als z.B. beim Wort „Bürger“. Das Wort „jeder“ ist von der Assoziation her so geschlechtsneutral, wie es nur irgend sein kann. Gerade weil es im Gegensatz zu „Bürger“, „Lehrer“ oder „Patient“ eben nie in einem konkret männlichen Sinne gebraucht wird.

Auch an solchen Momenten erkennt man, was für ein paranoides Wahngebilde diese sogenannte geschlechtergerechte Sprache ist.

Feministische Sprachwissenschaftler versuchen ja beständig, mit gekünstelten Experimenten und realitätsfernen Beispielsätzen, die tatsächlich zu stärkeren männlichen Assoziationen führen, unsere Alltagssprache als „sexistisch“ zu denunzieren. Dumm nur, daß viele dieser konstruierten Sprachsituationen selten bis nie im Alltag stattfinden.

Davon abgesehen geht es niemanden etwas an, was wir in unserem Alltag oder sonstwo assoziieren. Jeder hat das Recht, sich so viele alte, weiße Männer vorzustellen, wie er möchte. Zudem assoziieren wir im Sprachalltag eben gerade nicht ständig bewußt drauf los und stellen uns neurotische Fragen zur „Geschlechterrepräsentanz“. Vielmehr sind wir dem generischen Maskulinum schlicht und einfach dankbar dafür, daß es das Sprechen so einfach macht.

Es ist schon merkwürdig, daß die Gendersprache nicht als feministische Neurose von Frauen mit Minderwertigkeitskomplexen erkannt und auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgt wird.

Die Experimente der Gender-Linguisten sind also eben gerade nicht auf die Alltagssprache übertragbar. Das sind zwei völlig verschiedene Welten. Wie zwanghaft und orwellesk sind diese „Wissenschaftler“ drauf, daß sie überhaupt auf die Idee kommen, derartig plump unsere Alltagssprache zu denunzieren und verändern zu wollen?

Vielleicht liegt es ja daran, daß diese Leute keine Linguistik betreiben, sondern „feministische Linguistik“. Sie selbst nennen das so. Echte Wissenschaftler würden nämlich anerkennen, daß unsere Sprache schlicht und einfach funktioniert – statt sich krude Experimente auszudenken, deren Ergebnisse in jedem Fall irrelevant sind.

Echte Wissenschaftler hätten auch so viel Grips, sich zu fragen, warum sich unsere Sprachpraxis nicht die Bohne für die Ergebnisse feministischer Sprachexperimente interessiert. Nur feministische Linguistinnen schaffen es ja offenbar, daran zu glauben, daß Menschen ohne Abitur auch nur einen Deut von ihrer Diktion abwichen, weil man an der Uni angeblich „bewiesen“ habe, daß das generische Maskulinum zu weniger „gedanklicher Repräsentation von Frauen“ führe.

Immerhin zeigen diese Pseudowissenschaftler mit diesem Gebaren, daß sie in einer realitätsfernen Blase leben, sich maßlos selbst überheben und besser in einer Diktatur oder Sekte aufgehoben wären. Sollen diese Leute ihren Studenten doch mal einen Satz wie diesen hier vorlegen:

Jeder ist herzlich eingeladen.

Die Assoziationen wären mal interessant. Aber eben auch letztlich egal.

Weil Forschung eben nicht dazu da ist, Sprachinquisition zu betreiben und Geld zu verplempern für solch lächerliche Studien, die letztlich nur dazu dienen, feministische Ideologie zu stützen. Kein normaler Mensch käme auf die Idee, unsere Sprache, die sich tagtäglich bewährt, für illegitim zu erklären und sich zu einem linguistischen Dr. Frankenstein aufzuspielen.

Die Gender-Esoteriker meinen ja, mit ihren weltfremden Spielereien eine „gerechte Sprache“ zu erschaffen, die aber doch nie lebensfähig sein wird. Frankensteins Monster hat Geschwister im Reich der Sprache bekommen: Sie heißen Gender-Sternchen, Professx, Studierx, Binnen-I und Gender-Gap.

Die Gender-Alchimisten versuchen ihrer Kunstsprache genauso Leben einzuhauchen wie Dr. Frankenstein seiner Kunstkreatur.

Und man muß sich an dieser Stelle immer wieder fragen: Glauben diese Spinner wirklich, daß ihre monströsen Schöpfungen je auch nur den Hauch einer Überlebenschance hätten? Der Gender-Schwachsinn dieser Leute zeugt schon von einem enormen, weltfremden Narzißmus. Man wundert sich, was die Universität für ein Ort ist, wenn solche Sektierer dort ihren Unsinn verbreiten dürfen.

Zu der absurden Redundanz der Gendersprache, wie sie sich bei „jeder und jede“ zeigt, gesellen sich noch zwei andere Aspekte: Inkonsequenz und Inkompetenz.

Denn häufig betreiben Journalisten und öffentliche Personen zwar brav ihren feministischen Ablaßhandel, indem sie die Gendersprache anwenden, dies aber nur sehr halbherzig und inkompetent tun.

Der oben zitierte Satz müßte also – wenn die Postulate der geschlechtergerechten Sprache wirklich ernst gemeint sind – wie folgt lauten:

Auf dem Gipfel des Erfolgs reißt es einen oder eine hinunter in eine tiefe Krise.

So gendergerecht will man es dann aber auch wieder nicht. Man will sich ja nicht lächerlich machen. Wobei Feministinnen durchaus solche Sätze fabrizieren. Denen ist nichts peinlich.

Wenn man also bei „Spiegel Online“ in Hamburg wirklich das Sturmgeschütz der „Geschlechtergerechtigkeit“ sein will, dann muß man schon etwas mehr bieten in Sachen Konsequenz und Kompetenz bei der Anwendung des Gender-Unsinns.

Davon abgesehen fragt man sich besorgt, was mit all den „anderen Geschlechtern“ ist, die sich nicht durch „jeder und jede“ oder „einen und eine“ repräsentiert fühlen mögen.
Wenn es diese „Geschlechter“ wirklich gibt – und Gender-Forscher glauben fest daran -, dann muß ein modernes Medium wie „Spiegel Online“ sie doch auch repräsentieren.
Was sagt die Gleichstellungsbeauftragte im Verlag dazu? Ein „Leitfaden“, eine „Empfehlung“ muß her. Mindestens aber ein öffentliches Bekenntnis zu „inklusiver Sprache“ und mehr „Gendergerechtigkeit“.

Ich persönlich glaube, die Archäologen und Historiker der Zukunft werden mal so auf den Gender-Quatsch schauen wie wir heute auf Hexenwahn, Voodoo-Kult und Alchimie.

„Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer“

Heute hörte ich in den Nachrichten vom Deutschlandfunk, daß es eine Debatte darum gebe, inwieweit LKW-Fahrer schuld seien am Verkehrschaos auf der A2. Schließlich waren viele von ihnen angesichts der winterlichen Wetterlage illegal auf der Autobahn unterwegs.

In der Meldung war dann tatsächlich von „LKW-Fahrerinnen und – Fahrern“ die Rede. Das nennt man wohl „geschlechtergerecht“.

Aber ist es auch realitätsgerecht – mal abgesehen von der nervtötenden Redundanz dieser Kunstformulierung?

Sicherlich gibt es irgendwo auf diesem Planeten auch LKW-Fahrerinnen. Die heißen dann Trucker Babes oder so. Ich selber habe aber noch nie so ein Babe gesehen.

Man ist ja vom Deutschlandfunk mittlerweile einiges gewohnt. Die ganze Palette „geschlechgtergerechter“ Phantasieformen ist dort zu hören – von den „Mitarbeitenden“ oder den „Forschenden“ über die „Künstler:innen“ bis zu den „Ärztinnen und Ärzten“. Auch die altbekannten feministischen Narrative und Lügen sind im Programm omnipräsent.

Die Redaktion dort dürfte sich ziemlich progressiv, frauenfreundlich und am Puls der Zeit fühlen. Aber muß das Streben nach sprachlicher „Gleichstellung“ wirklich so weit gehen, daß man in einer kurzen Nachrichtenmeldung von „LKW-Fahrerinnen und -Fahrern“ spricht?

Man stelle sich mal vor, wie so eine Meldung in den Siebzigerjahren aufgenommen worden wäre. Wahrscheinlich hätten die Hörer das als Gag verstanden und irgendeinen Komiker dahinter vermutet.

Interessanterweise sah die Meldung im Nachrichtenüberblick auf der Webseite so aus:

lkw-fahrerinnen-deutschlandfunk-gendersprache

Ich dachte immer, das generische Maskulinum grenzt Frauen aus, macht sie unsichtbar.

Im Volltext dieser Nachricht ist dann dies zu lesen:

Das Verkehrschaos auf der Autobahn 2 ist offenbar maßgeblich durch Lkw-Fahrerinnen und -fahrer verursacht worden.

Wer weiß das schon so genau? Kann der Deutschlandfunk garantieren, daß auch heiße Trucker Babes unter den Regelbrechern auf der A2 waren? Zumal Frauen doch auch die besseren Menschen und weniger delinquent sind?

Man kommt wirklich in Teufels Küche mit dieser Gendersprache.

Weiter unten steht dann dies:

Der Bundesverband Güterverkehr teilte indes mit, Schuld seien vielfach Kommunikationsprobleme gewesen. Ukrainische, belarussische, kasachische Fahrer könnten Schilder in lateinischer Schrift teilweise nicht lesen, geschweige denn deutsche Verkehrsdurchsagen verstehen, erklärte ein Sprecher. Kein Fahrer fahre freiwillig in einen nächtlichen Dauerstau.

Hier sind also wieder zwei ziemlich geschlechterungerechte generische Maskulina zu lesen. Da könnte sich das eine oder andere Trucker Babe diskriminiert fühlen. Andererseits sind LKW-Fahrerinnen eher selten Akademiker und dürften daher wohl kaum an intellektuellen Neurosen wie der „geschlechtergerechten Sprache“ leiden.

Gehört es wirklich zum Sendeauftrag des Deutschlandfunks, uns Hörer darüber zu informieren, daß möglicherweise auch ein paar LKW-Fahrerinnen unter den Regelbrechern waren?

Der eigentliche Informationswert dieser Meldung besteht ja nicht darin, daß Männer und eventuell auch Frauen in den LKWs saßen, sondern daß diese LKWs illegal auf der Autobahn fuhren und eventuell Chaos verursacht haben. Ob da nun Männer oder Frauen drin waren, interessiert eigentlich nicht im geringsten.

Es muß uns ja auch niemand erklären, daß die Bürger eines Landes oder die Schüler einer Schule auch aus Menschen weiblichen Geschlechts bestehen. Das ist eine irrelevante und redundante Information, die der ungebildete und geschlechterungerechte Pöbel deshalb einfach wegläßt.

Er hat einfach nicht die geistigen Fähigkeiten und den moralischen Narzißmus, um sich besonders komplizierte und überflüssige Formulierungen auszudenken, wie das nur Akademiker vermögen. Nur Akademiker verfügen auch über genug Größenwahn, sie hätten die Autorität, unsere Sprache zu „verbessern“, „gerechter“ zu machen und die Diktion ihrer Mitmenschen für überholt und „sexistisch“ zu erklären.

Nun ja. Immerhin beglückt uns der Deutschlandfunk mit dem sehr kulturgerechten „belarussisch“. Das macht einiges wett. Schließlich wollen wir unsere Freunde aus „Belarus“ nicht mit dem schlimmen Wort „weißrussisch“ diskriminieren. Es gibt viel zu tun, um unsere Sprache gerechter zu machen.

Ach wäre der Deutschlandfunk doch ebenso konsequent mit der Ausmerzung des generischen Maskulinums wie mit der Ausmerzung der schlimmen Begriffe „Weißrußland“ und „weißrussisch“.

Nichtsdestotrotz, der Deutschlandfunk ist auf einem guten Weg, unsere Sprache gerechter und sensibler zu machen. Die Redaktion darf sich gut und progressiv fühlen.